| „Ich habe keinen Sinn für weibliche Tugenden, für Weiberglückseligkeit. Nur das Wilde, Große, Glänzende gefällt mir.“
Mit dieser Einstellung war Karoline von Günderrode Anfang des 19. Jahrhunderts bereits persönlich und gesellschaftlich zum Scheitern verurteilt. Doch sie machte alles noch schlimmer. Die renitente Schülerin des Cronstettischen Adeligen Damenstifts in Fankfurt am Main begeisterte sich für die Ideale der Französischen Revolution, unterhielt heimliche Männerbekanntschaften und verstand sich zu allem Überfluss als Künstlerin und Prophetin von Freiheit und Gleichberechtigung.
„Ja, es muss eine Zeit kommen, wo jedes Wesen harmonisch mit sich selbst und den anderen wird.“
Die Zeitgenossen haben es ihr nicht gedankt. Karoline von Günderrode starb einsam, nachdem ihr Geliebter, der verheiratete Professor Friedrich Creuzer, den Weg des geringsten Widerstands wählte. Am 26. Juli 1806, im Alter von 26 Jahren, stieß sie sich am Flussufer in Winkel am Rhein einen lange gehüteten Dolch in die Brust. Doch auch die Nachwelt nahm lange Zeit keine Notiz von ihr, obwohl die treusorgende Freundin Bettine von Arnim einen ganzen Briefroman („Die Günderrode“) in die literarische Waagschale warf, um das Interesse noch einmal auf ihre außergewöhnliche, hochbegabte und sensitive Erscheinung zu lenken.
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