| Nach über vier Stunden wird in Richard Wagners “Meistersingern von Nürnberg“ eine politische Zeitbombe auf ihre Explosion vorbereitet. Still und leise, versteht sich, denn der Schlussmonolog des Hans Sachs führt die ermatteten Zuschauer auf Umwegen zum Ziel: „Verachtet mir die Meister nicht Und ehrt mir ihre Kunst!“
Die unverdächtigen Eingangszeilen richten sich an Walther von Stolzing, der mit eben den Meistersingern versöhnt werden soll, die ihm lange Zeit nicht nur die künstlerische Anerkennung versagt, sondern auch die Gunst der liebreizenden Eva missgönnt haben. So weit, so gut, denn was Sachs hier vorschwebt, zielt zu guter Letzt auf einen ästhetischen Idealzustand, in dem Tradition und Moderne notwendige und gleichwertige Bestandteile einer organischen Entwicklung sind. Doch plötzlich ändert sich der Tonfall: „Habt Acht! Uns dräuen üble Streich: zerfällt erst deutsches Volk und Reich, in falscher wälscher Majestät kein Fürst bald mehr sein Volk versteht, und wälschen Dunst mit wälschem Tand sie pflanzen uns in deutsches Land; was deutsch und echt, wüßt keiner mehr, lebt´s nicht in deutscher Meister Ehr.“
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