| Dass Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausens barocker Roman "Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch" (1669) durchaus als Vorlage für eine herausragende Oper dienen kann, darf seit Karl Amadeus Hartmanns erfolgreichem Versuch (1936) als bewiesen gelten. Aber taugt die Geschichte aus dem Dreißigjährigen Krieg auch als Operettensujet? Offensichtlich nicht, denn Johann Strauss´ 1887 uraufgeführter "Simplicius" geriet nach einigen Dutzend Aufführungen vollständig in Vergessenheit. Der Versuch einer ehrenrettenden Erklärung, dafür sei in erster Linie das mit antimilaristischen Sentenzen gespickte Textbuch, das in der Blütezeit des Imperialismus auf strikte Ablehnung stoßen mußte, verantwortlich, trifft den Kern des Problems nicht.
Der besteht nämlich ganz einfach darin, dass Libretto und Komposition zu schwach sind, um sich auf der Bühne durchzusetzen. Strauss fehlt die Kette zündender melodischer Einfälle, welche "Die Fledermaus, "Die Nacht in Venedig" oder den "Zigeunerbaron" zu Welterfolgen machte. Deshalb muss bezweifelt werden, ob der bewundernswerte Einsatz des Opernhauses Zürich und des renommierten Dirigenten Franz Welser-Möst, die in philologischer Kleinarbeit eine spielbare Fassung des "Simplicius" herstellten und zur Aufführung brachten, von langanhaltendem Erfolg gekrönt sein wird. Hätten sie sich für eine andere, heute kaum noch bekannte Strauss-Operette wie etwa "Karneval in Rom" oder "Der lustige Krieg" entschieden, sähe die Sache möglicherweise anders aus. Trotzdem kann man davon ausgehen, dass der in der musikalischen Umsetzung allemal erstklassige Live-Mitschnitt künftig in den CD-Sammlungen vieler Johann Strauss-Freunde zu finden ist. Und sei es nur der Vollständigkeit halber ...
Johann Strauss: Simplicius, 2 CDs, EMI
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