| Seit das Rossini-Festival in Pesaro die „Reise nach Reims“ 1984 wiederentdeckte, haben die großen Opernhäuser das aberwitzige Belcantofeuerwerk fest im Visier. Trotz oder gerade wegen der zahlreichen Hauptpartien, die enorme Herausforderungen an die beteiligten Sänger stellen und sich schließlich zum „Gran Pezzo Concertato a 14 Voci“, dem wohl größten Ensemble der Operngeschichte, vereinigen.
Für das Gran Teatre del Liceau in Barcelona war die Besetzungsfrage kein großes Problem, zumal Jesús López Cobos sich einmal mehr als Garant für das Ausbleiben musikalischer Schwachstellen erwies und die Solisten zu gleichwertigen Spitzenleistungen animierte.
Die Inszenierung von Sergi Belbel macht auch im DVD-Rückblick weniger Freude. Seine Idee, den vermeintlichen Triumph über die Revolution in einen Grabgesang der Aristokratie zu verwandeln, ist allemal bestechend. Trotzdem bleibt die betuliche Personenführung weit hinter der geistigen Flexibilität zurück, die den missglückten Versuch, an der Krönung des französischen Königs Karl X. teilzunehmen, unter anderen zeitlichen Voraussetzungen zu einem veritablen Klassiker des absurden Theaters hätte machen können.
Belbel scheint dieses Problem gegen Ende selbst registriert zu haben, doch seine Lösungsstrategien würden nicht einmal der darbenden Fernsehunterhaltung auf die Beine helfen. Kaum zu glauben, dass dem Wunderkind des spanischen Theaters nicht mehr einfällt, als einen russischen General mit Wodkaflasche über die Bühne zu scheuchen und aus lauter Verzweiflung per Videoeinblendung schließlich noch abstruse Verbindungslinien zwischen Karl X., Adolf Hitler, George W. Bush und ein paar anderen Machthabern zu ziehen.
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