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Stegemanns Musikkritik

Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion

Die Liebe zu den drei Orangen

Es ist durchaus bezeichnend für die moderne Kulturgeschichte Europas, dass Serge Prokofieff ausgerechnet mit einer boshaften Persiflage auf die altehrwürdige Operntradition eine der besten und erfolgreichsten Opern des 20. Jahrhunderts gelang. In dem Zerrspiegel, den die "Liebe zu den drei Orangen" einer von Kriegen, Wirtschaftskrisen und sozialen Katastrophen erschütterten Gesellschaft vorhält, wird der reale Zustand dieser Gesellschaft offenbar.

Die Träume von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit sind ausgeträumt, die große Liebe ist der belanglosen Zufallsbekanntschaft gewichen, für Halt und Orientierung müssen banale Marschrhythmen sorgen.
Valery Gergiev hat sich wie kein anderer Stardirigent um das Opernschaffen Serge Prokofieffs verdient gemacht und nun endlich auch eine Neueinspielung der "drei Orangen" vorgelegt. Mit einem hochgradig engagierten Solistenensemble und der bewährten Stammformation des Kirov Chorus and Orchestra entlockt er der Partitur ein Maximum an Farbenreichtum und Ausdruckskraft. So interpretiert wird die 1921 uraufgeführte Oper, an deren beunruhigender Aktualität nicht ernsthaft gezweifelt werden kann, sicher auch im neuen Jahrhundert zu den Standardwerken gehören.


Serge Prokofieff: Die Liebe zu den drei Orangen, 2 CDs, Philips

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