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2 ½ Stunden lang warten die Zuschauer im restlos ausverkauften Bonner Theater auf den Beginn der Inszenierung, doch ihre Geduld wird nicht belohnt. Regisseur Andreas Homoki und sein Raumgestalter Frank Philipp Schlößmann haben die Bühne von allem überflüssigen Zierrat gereinigt und präsentieren Verdis Klassiker als zeitloses Liebesdrama mit unglücklichem Ausgang. Violetta, ohnehin schon gesundheitlich angeschlagen, wird von den Menschen, die ihr am nächsten stehen sollten, im Stich gelassen. Den Rest erledigt eine amorphe, schwarz-weiße Masse, die der Leidenden unbarmherzig den Rücken zuwendet und vermutlich als DIE Gesellschaft verstanden werden soll. Doch „La Traviata“ ist keine richtungslose Anklage gegen mangelnde Empathiefähigkeit. Vielmehr beschreibt die Oper sehr präzise, wer in welchem Umfang an Violettas Untergang mitwirkt und inwiefern ihr Fall exemplarisch für die gezielte, aus sexuellem oder ökonomischem Interesse betriebene Hinrichtung des weiblichen Eros verstanden werden kann.
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