| Kann sich das Schicksal zwischen stillgelegten Spielautomaten und ausrangierten Feldbetten wirklich zuhause fühlen? Möglicherweise, denn schließlich haben schon die griechischen Dramatiker den Verdacht geschürt, dass die Wiege der Zivilisation auch als Testgelände der Apokalypse fungieren muss. Nicholas Broadhurst kann aus dieser historischen Einsicht allerdings kein politisches Kapital schlagen, weil er die Adjektive zeitlos und beliebig ganz offenbar verwechselt hat. Aus vielen bunten Bildern, die so tun als wären sie gewagt, entsteht nicht automatisch ein Konzept, sondern bisweilen - und in diesem Fall des bedauernswerten König Ödipus besonders – ein ermüdender Leerlauf in immer gleicher Bildästhetik.
Dass die Zuschauer dennoch nur ansatzweise auf den Gedanken kommen, sie seien die Einzigen, die hier auf eine Tour de Force gehetzt werden, ist dem phänomenalen Opern- und Extrachor des Theaters Bielefeld in der Einstudierung von Hagen Enke zu danken. Auch die Bielefelder Philharmoniker unter der nicht übertrieben exzessiven, aber sehr transparenten Leitung von Peter Kuhn setzen einen Gegenakzent zum trüben Bühnengeschehen und entdecken in Enescus extrem farbenreicher Partitur ein Meisterwerk der klassischen Moderne. Die Solisten werden von Broadhursts tiefgreifenden Missverständnissen deutlicher in Mitleidenschaft gezogen, steigern sich aber zu einer soliden Ensembleleistung. Alexander Vassiliev (Oedipe) erntet für seine kraftraubende Darbietung am Premierenabend den meisten Applaus und demonstrative Bravorufe.
Kartentelefon: 0521 / 51-5454
zurück zur Übersicht bitte | |