| Als modernes Beziehungsdrama würde die Metropolitan Opera Wagners „Lohengrin“ auch heute nicht akzeptieren. August Everding blieb vor 30 Jahren also kaum etwas anderes übrig, als einen strahlenden Heilsbringer mit weißer Rüstung und blondgelocktem Haupthaar auf die Bühne zu stellen, dem eine züchtig gewandete Elsa nach allen Regeln der Kunst in die muskulösen Arme sinken kann.
Aufregendes Theater geht anders, doch dieser 1986 entstandene Live-Mitschnitt birgt trotz seines musealen Gesamtzustandes vielerlei Sehens- und Hörenswertes. So zum Beispiel den legendären Peter Hofmann (Lohengrin), der vor seiner Degradierung zum Phantom der Oper noch gut bei Stimme war, aber auch einiges vermissen ließ. Wäre es nur nach seinem schauspielerischen Talent gegangen, hätte der umjubelte Heldentenor wohl eine der Säulen spielen müssen! Anders Leonie Rysanek, die im Alter von immerhin 60 Jahren eine mitreißende, faszinierende, stimmlich und darstellerisch herausragende Ortrud auf die Bühne brachte und sich mit den ähnlich gut aufgelegten Kollegen Eva Marton (Elsa) und Leif Roar (Telramund) fesselnde Gesangsduelle lieferte. Am Pult des Metropolitan Opera Orchestra bewies James Levine schon damals Mut zu breiten Tempi. Die durchschnittliche Aufführungsdauer einer straffen zeitgenössischen Interpretation wurde dabei locker überschritten. Dem Publikum gefiel es umso besser. Zeit spielt für den enthusiastischen Wagner-Freund eben keine Rolle. Auch daran hat sich bis heute wenig geändert.
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