Wenn einer der besten und spielfreudigsten Oboisten der Welt mit dem offenkundigen Mangel an entsprechender Konzertliteratur konfrontiert wird, entsteht sicher so etwas wie Handlungsbedarf. Ob Kompositionen unterschiedlichster Art und Veranlassung deshalb unbedingt zu Händels „Vier Jahreszeiten“ verquirlt werden müssen, steht natürlich wieder auf einem anderen Blatt..
Zugegeben: Die Werke sind von ihren potenziellen Originalen kaum zu unterscheiden. Außerdem haben Mayer und sein bewährter Arrangeur Andreas Tarkmann gute Argumente für ihr freigeistiges Unterfangen. Etwa Händels eigene Vorliebe für raffinierte Pasticcios und effektive Mehrfachverwertungen, das barocke Desinteresse an philologischer Präzisionsarbeit und – vor allem – den überwältigenden Klangzauber, mit dem der neu gewonnene Konzertzyklus hier präsentiert wird.
Für Verfechter der reinen Lehre historischer Aufführungspraxis bleibt das Projekt eine Zumutung – aber auch sie werden sich dem eminenten Hörvergnügen kaum entziehen können.
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