| Mitte des 18. Jahrhunderts avancierte der böhmische Müllermeister Josef Mysliveèek (1737-81) in Windeseile zum Starkomponisten der italienischen Opernszene. Doch ebenso schnell entglitt dem Naturtalent die Gunst der Schönen und Reichen wieder, als ihm ein in medizinischen Fragen offenbar wenig bewanderter Arzt kurzerhand die Nase wegbrannte. Den brillanten Partituren des Glücksritters, dem es immerhin gelang, einen Wolfgang Amadeus Mozart gleich mehrfach zu inspirieren, war eine ausdauerndere Publikumsgunst beschieden.
Bis heute begeistern die dreiteiligen, kaum zehnminütigen „Symphonien“ durch melodischen Schwung und rhythmische Prägnanz, die in der zupackenden Interpretation des Concerto Köln unter Werner Erhardt besonders vorteilhaft zur Geltung kommen. Bleibt zu hoffen, dass Mysliveèek, der als „göttlicher Böhme“ 1912 selbst zur Opernfigur wurde und neuerdings in Mezzosopranistin Magdalena Kozená eine stimmgewaltige Anwältin gefunden hat, noch eine nachhaltige Wiederentdeckung bevorsteht.
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