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Musikkritik 23

Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion

Antonín Dvorák: Stabat Mater

Josquin Desprez und Giovanni Battista Pergolesi, Joseph Haydn und Franz Schubert, Gioacchino Rossini und Krzystof Penderecki - die Reihe der Komponisten, die sich im Laufe der Jahrhunderte an der Vertonung des "Stabat Mater dolorosa" versucht haben, ist prominent besetzt. Gleichwohl kommt Antonín Dvoráks Version eine Sonderstellung zu, und das nicht nur wegen ihrer vergleichsweise monumentalen Ausmaße.

Während der Entstehungszeit (1875-77) starben drei Kinder des Komponisten. Diese traumatischen Erfahrungen verschmolzen mit der uralten formelhaften Sequenz zu einer gewaltigen Beschwörungsgeste, die tiefer Trauer und unbezwingbarer Hoffnung gleichermaßen Ausdruck verleiht. Genau das gelingt auch der phänomenalen Neueinspielung mit Mariana Svetkova (Sopran), Ruxandra Donose (Mezzosopran), Johan Botha (Tenor) und Roberto Scandiuzzi (Bass), dem Chor der Sächsischen Staatsoper Dresden und der Staatskapelle Dresden unter der Leitung des wieder einmal brillanten Giuseppe Sinopoli. Mit Präzision und kongenialem Engagement arbeitet das Ensemble die dynamischen Feinheiten und abrupten Stimmungswechsel der komplexen Partitur heraus und interpretiert Dvoráks "Stabat Mater" so exakt im Sinne des Komponisten: als ein sehr persönliches, ungeheuer verzweifeltes Glaubensbekenntnis.


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