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Stegemann Musikkritik 24

Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion

Giuseppe Verdi: Macbeth

Dass sich die überwiegende Mehrheit der deutschen Theater entschieden hat, den 100. Todestag Giuseppe Verdis mit Neuinszenierungen seiner sattsam bekannten Werke zu würdigen, ist in höchstem Maße bedauerlich. Aber leider nicht zu ändern, und so müssen wir die Erkenntis, dass der Maestro auch in jungen "Galeerenjahren" geniale Opern geschaffen hat, weiterhin vorwiegend aus Konserven beziehen.
Das klingt unerfreulich, hat aber auch seine Vorteile, denn immerhin beschert uns dieser Umstand Wiederbegegnungen mit absoluten Highlights der Plattengeschichte. Empfehlen wir also diesmal keine Neueinspielung, sondern den legendären Mailänder "Macbeth" aus dem Jahr 1976.

Die geniale Gesamtaufnahme unter der Leitung von Claudio Abbado basiert auf der "Pariser Zweitfassung" aus dem Jahr 1865, verknüpft diese allerdings dramaturgisch geschickt mit Macbeth´ Sterbeszene, die nur in der Urfassung von 1847 notiert wurde. Zum fulminanten Solistenensemble, das Shakespeares einzigartige Parabel von blindem Ehrgeiz und maßlosem Machtstreben zum düsteren Leben erweckt, gehören der eminent wandlungsfähige Piero Cappuccilli, die entfesselte Shirley Verrett und Plácido Domingo, der hier eine seiner ersten Opernaufnahmen nicht nur absolvierte.
Diese Aufnahme ist nicht neu, aber ihre kompromisslose, wahrlich schauderhafte Präzision verdient das Prädikat "zeitlos" in jeder denkbaren Hinsicht.


Giuseppe Verdi: Macbeth, 2 CDs, Deutsche Grammophon

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