| 30.März 1966. Der Dom von Münster wird 700 Jahre alt und die Gäste warten gespannt und sicher nicht ganz ohne Häme auf die Uraufführung eines Werkes, mit dem der 32jährige Krzysztof Penderecki erklärtermaßen ein Pendant zu den weltberühmten Passionen des Johann Sebastian Bach schaffen will. Heute gilt Penderecki als einer der bedeutendsten Komponisten seiner Generation und die "Lukaspassion" als Meilenstein der zeitgenössischen Musik.
Dass sie bis heute aufgeführt und allerorten mit ehrlicher Anteilnahme erlebt wird, liegt sicher an der Unbekümmertheit, mit der Penderecki alle ihm zur Verfügung stehenden ästhetischen Möglichkeiten genutzt hat, um ein authentisches Kunstwerk zu kreieren. An diesem prallt der Vorwurf einer allzustarken Haftung an obsolten Traditionen ebenso hilflos ab wie der einer zum blossen Selbstzweck verkommenen Avantgarde. Darüber hinaus ist es ihm aber wie kaum einem zweiten gelungen den theologischen Gehalt mit der Erinnerung an die Greuel des 20.Jahrhunderts und der politischen Forderung zu verknüpfen, die Gewalt von Menschen über Menschen endlich zu beenden. Die Solisten Franziska Hirzel, Francois Le Roux, Jean-Philippe Courtis, die Chöre des NDR, WDR und Mainzer Domchores sowie das Orchester der Beethovenhalle Bonn unter Marc Soustrot geben dem Werk genau die Lebendigkeit, die es verdient.
Krzysztof Penderecki: Passio et mors Domini nostri Jesu Christi secundum Lucam, MDG
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