| Achim Reichel: Wilder WassermannWer Achim Reichel nach den Textern seines neuesten Albums fragt, bekommt seltsame Antworten. Heinrich Heine steuerte ein paar Zeilen bei, Theodor Storm und Eduard Mörike waren mit von der Partie, und selbst der Geheime Rat von Goethe hat sich nicht lumpen lassen.
Für das Urgestein der deutschen Rockmusik ist das nichts Ungewöhnliches, denn Reichel hatte schon Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre mehr oder weniger erfolgreich versucht, "klassische" und zeitgenössische Literatur auf seine ganz spezielle Art zu vertonen. Mehr oder weniger erfolgreich war denn auch die aktuelle Folk-Rock-Variation berühmter Mythen und Balladen. Während Heines "Loreley" oder Mörikes "Geister vom See" durch Reichels Schnodderstimme keinen erkennbaren Schaden leiden, klingen Heines "Belsazar" oder Goethes "Erlkönig" unfreiwillig komisch, weil es Reichel hier nicht mal ansatzweise gelingt, den breiten Ausdrucksspielraum der Textvorlagen musikalisch adäquat umzusetzen. Beim "wilden Wassermann", dem "Nöck" oder der "Ballade vom Reichtum und der Not" sieht das schon wieder ganz anders aus.
In solchen Fällen hat eine Programmierfunktion am CD-Player entscheidende Vorteile. Dass ihre Benutzung gleichwohl nicht empfohlen werden kann, hängt mit der überaus faszinierenden Instrumentierung des "wilden Wassermanns" zusammen. Allein Achim Reichel spielt im Verlauf der 12 Stücke sämtliche Gitarren, ein türkisches 12-String-Banjo, eine portugiesische 12-String-Laute, eine Hamburger Waldzitter, ein indisches Harmonium, Melodica und E-Piano. Was er mit diesen und seine Combo darüber hinaus noch mit vielen anderen Instrumenten anstellt, ist absolut hörenswert und außerdem geeignet, über die eine oder andere schwache Vertonung hinwegzutrösten. Achim Reichel: Wilder Wassermann, WEA
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