| Lady Macbeth spielt mit ihrem Teddybär, der werte Gatte hockt im Strandkorb, und die Hexen veranstalten zur Feier des Tages ein kleines Grillfest. Inga Levant hat in Münster einen „Macbeth“ auf die Bühne gestellt, der seinesgleichen sucht. Aber hoffentlich nicht findet, denn ein solches Feuerwerk aus verfehlten Interpretationsansätzen, permanentem Klamauk und entnervender Discolicht-Regie müsste nach den Gesichtspunkten statistischer Verteilung für mehrere Spielzeiten und Theater reichen. Unter Levants plakativem Weltverbesserungspathos leiden neben dem von Peter Heinrich brillant einstudierten Chor vor allem die Sänger, die ausnahmslos einen formidablen Auftritt abliefern und unter der Leitung des sichtlich Verdi-begeisterten Generalmusikdirektors Will Humburg zu mitreißender Höchstform auflaufen. Das gilt vor allem für die Darsteller der Hauptfiguren dieser an sich so faszinierenden Shakespeare-Vertonung, die nicht nur das vordergründige Ränkespiel der Macht, sondern auch dessen ideologische Überbrückungen und psychologischen Fallstricke ins Blickfeld des Betrachters zerrt. Doch Stefan Adam (Macbeth), Ruth-Maria Nicolay (Lady Macbeth), Auke Kempkes (Banco) haben in dieser Produktion einen schweren Stand. Denn ihr eindrucksvoller stimmlicher und darstellerischer Einsatz fällt über weite Strecken einem Regiekonzept zum Opfer, das andernorts vermutlich nicht mal als Aufreger wahrgenommen, sondern nur gähnende Langeweile hervorrufen würde.
Im westfälischen Münster lief das naturgemäß etwas anders. Hier fanden sich tatsächlich einige Levant-Fans, die den mehrheitlichen Buhrufen energisch Paroli boten. Dabei hätten sich beide Parteien durch die Lektüre des entlarvend, aber irgendwie auch rührend naiven Programmheftbeitrags der Regisseurin schon im Vorfeld darauf einigen können, dass sich der Einsatz nicht wirklich lohnen dürfte ... Trotz alledem verspricht die kommende Saison in Münster ausreichenden Trost für enttäuschende Opernfreunde. Ab dem 18. September steht Jacques Offenbachs phantastische Oper „Hoffmanns Erzählungen“ in der Inszenierung von Gabriele Rech auf dem Programm, und zwei Monate später warten die Städtischen Bühnen mit einer bundesweit wohl einmaligen Rarität in Form von Nicolò Porporas 1733 uraufgeführter, hierzulande vollkommen unbekannter Oper „Arianna in Nasso“ auf. Schließlich steht u.a. noch die Uraufführung des lyrischen Dramas „Senja“ von Azio Corghi (ab 7. März 2003) und die mit Spannung erwartete Neuinszenierung der „Meistersinger von Nürnberg“ (ab 22. Juni 2003) an.
Weitere Aufführungen: 9., 18., 22., 26., 29. Juni Kartenvorbestellung unter: 0251 / 4146 7100
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