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Stegemann Musikkritik 51

Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion


“Geboren zu werden ist ein Horror!“

Bielefeld wagt sich an die Deutsche Bühnenerstaufführung von Vinko Globokars „L'armonia drammatica“

Obwohl Vinko Globokar zu den profiliertesten zeitgenössischen Komponisten zählt, stand die bisherige Aufführungsgeschichte seines ambitionierten Musikdramas „L'armonia drammatica“ unter keinem guten Stern. Zunächst verhindert eine kulturpolitische Entscheidung die Uraufführung des Werkes an der Pariser Opéra comique, dann scheiterte die Oper in Ljublijana an einer den Vorstellungen des Komponisten kaum halbwegs entsprechenden Umsetzung.
So war dem Theater Bielefeld die „eigentliche Uraufführung“ des monumentalen Stückes vorbehalten. Und die mit Spannung erwartete Inszenierung von Arila Siegert wurde den gestiegenen Erwartungen mehr als gerecht. Denn Globokars multimediale Auseinandersetzung mit dem heiklen Thema „Widerstand“ entpuppte sich als künstlerisches Ereignis ersten Ranges, das von sattsam bekannten, allzu gutgemeinten Plattitüden den erforderlichen Abstand hielt. Der „allegorische Realismus“, den der wieder einmal als Librettist auftretende Eduardo Sanguineti ebenso eindrucksvoll wie überzeugend in Sprache fasste, verwandelte Globokar in eine Partitur voll souveräner Formvollendung und emotionaler Eindringlichkeit. In immer neuen Varianten näherten sich beide dem verzweifelten und vielleicht auch hoffnungslosen Kampf des wundgestoßenen Individuums, das den schmal gewordenen Grad der Hoffnung – warum auch immer – nicht verlassen will. Dafür gibt es wenig Motivation, aber viele gute Gründe, wie Performance-Legende Helge Leiberg, der sämtlichen Vorstellungen in Bielefeld das visuelle Geleit gibt, nachdrücklich betont:

“Gegen Sattheit, gegen Nachlässigkeit, gegen Ignoranz, gegen Bequemlichkeit – dagegen bringe ich mit meiner Arbeit Widerstand auf.“
Und so brauchen Leibergs kongeniale Live-Projektionen, das quadratzentimeteradäquate Bühnenbild von Marie-Luise Strandt und die herausragenden Solisten, die vom Chor und Orchester des Theaters Bielefeld unter der zielgenauen Leitung von Dirk Kaftan die denkbar beste Unterstützung erfahren, fast nur noch ihr übriges zu tun, um den Abend zu einem außergewöhnlichen Ereignis werden zu lassen, an das die (leider nur) wenigen Zuschauer noch lange zurückdenken dürften.

„L'armonia drammatica“ war die letzte Neuinszenierung des Bielefelder Musiktheaters in der ablaufenden Saison. Aber auch die kommende Spielzeit verspricht gerade in diesem Bereich eine Reihe sehenswerter Produktionen. Nach der Auftaktpremiere von Jules Massenets „Werther“ stehen u.a. Mozarts „Zauberflöte“ (ab 8.11.2003), Janaceks „Jenufa“ (ab 22.3.2003), Debussys „Pelléas et Melisande“ (ab 11.5.2003) und Händels „Rinaldo“ (ab 22.6.2003) auf dem Programm.

Die nächsten Aufführungen finden am 25. und 28. Juni statt.
Kartenvorbestellung unter Fon: 0521 / 515454

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