| Dass Muzio Clementi (1752-1832) heute im wesentlich nur noch Klavierspielern bekannt ist, liegt nicht nur an seiner Vorliebe für dieses Instrument. Wir haben es in diesem Fall auch mit einer frühen Form des Mobbing zu tun, an der sich u.a. auch Wolfgang Amadeus Mozart beteiligte. Der behauptete 1783, sein lästiger Konkurrent sei ein "Ciarlattano ohne den geringsten Vortrag, noch Geschmack".
Das Vorurteil des auf reine Virtuosität bedachten Effekthaschers hat Clementi durch die Jahrhunderte begleitet, ohne doch jemals ernsthaft begründet worden zu sein. Die entsprechenden Argumente dürften allerdings auch schwierig zu finden sein. Andreas Staiers brillante Einspielung verschiedener Klavierstücke aus den Jahren 1785 bis 1821 zeigt deutlich, warum Clementi zu einem der wichtigsten Anreger Ludwig van Beethovens werden konnte. Den heutigen Hörer beeindruckt durchaus nicht nur der technische Schwierigkeitsgrad, sondern auch Clementis Experimentierfreude im formalen Bereich und natürlich die ungetrübte Spielfreude, die Staier auf einem Broadwood-Flügel aus dem Jahr 1802 zelebriert.
Muzio Clementi: Sonatas, Teldec
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