| Der 50. Todestag eines großen Komponisten ist allemal Grund genug, um an seine bedeutendsten Werke zu erinnern. Und auch wenn diese Erinnerung im Falle Sergej Prokofjews, dessen facettenreiche Kompositionen aus dem aktuellen Konzertrepertoire erfreulicherweise nicht wegzudenken sind, kaum zwingend erforderlich zu sein scheint, hat eine Referenzaufnahme doch immer den unwiderlegbaren Vorteil eines bleibenden Werts.
Um eine solche handelt es sich bei der vorliegenden Prokofjew-Hommage des Philharmonischen Orchesters St. Petersburg ohne jeden Zweifel, und das hängt nicht nur mit dem klaren Heimvorteil zusammen, auf den der Klangkörper bei der 1918 in St. Petersburg uraufgeführten „Symphonie classique“ und dem einst für das Kirow- (heute wieder Mariinski-)Theater komponierten Ballett „Romeo und Julia“ setzen konnte. Denn in der fulminanten Interpretation des von Yuri Temirkanov differenziert ausgesteuerten Orchesters klingen beide Werke ebenso wie die skurrile Suite aus der noch skurrileren Oper „Die Liebe zu den drei Orangen“ weder nach russischer Seele noch nach anderen folkloristischen Versatzstücken. Mit viel Esprit, Sinn für Humor und gleichzeitigem Taktgefühl für tragische Momente wird Prokofjew als einer der wichtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts gefeiert – und das Ganze klingt dann tatsächlich so, wie Weltmusik, die diesen Namen verdient, eben klingen sollte. Die 1991/92 entstandene Aufnahme bringt deshalb alle Voraussetzungen mit, um selbst strengen Sammler-Maßstäben zu genügen.
Sergej Prokofjew: Classical Symphony, Romeo and Julia - Suite Nr.2, Suite from The Love of the three Oranges, RCA
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