| Selbst als die Salzburger Festspiele im vergangenen Sommer eine Kehrtwende herbeiführen wollten und große Namen aufboten, die von Regisseur Elmar Goerden, Cornelia Froboess und den für Helmut Griem eingesprungenen Vadim Glowna umstandslos in die Waagschale geworfen wurden, blieb die Resonanz deutlich hinter dem Engagement der Beteiligten zurück. Am Hamburger Thalia Theater hat Michael Thalheimer nun trotzdem ein probates Mittel gefunden, um den viel geliebten und oft gescholtenen Klassiker vor dem Staub der Archive zu retten. Der designierte künstlerische Leiter des Deutschen Theaters Berlin sieht in der Familie Tyrone eine „Zwangsgemeinschaft“, deren „kompletter Horror“ so direkt wie möglich, sprich: „ganz geheimnislos“, auf die Bühne geworfen werden muss.
Genau das versucht Thalheimer, indem er in Abstimmung mit Bühnenbildner Olaf Altmann auf ernstgemeinte Kulissen verzichtet und seinen Darstellern nur ein Minimum an Requisiten gestattet. Vier Stühle um den mit Gläsern und Flaschen übersäten Tisch, eine Glühbirne und eine Madonnenfigur, die von der Rampe aus unbeteiligt in den Zuschauerraum blickt, eröffnen den Protagonisten ausreichend Gelegenheit, sich ganz auf den familiären Stellungskrieg zu konzentrieren. Das Quartett, das von der phänomenalen Victoria Trauttmansdorff (Mary) Peter Kurth (James), Peter Moltzen (James Jr.) und Hans Löw (Edmund) gebildet wird, nutzt diese Chance und geht immer wieder an die Grenze der physischen Möglichkeiten. In atemberaubendem Tempo wird der radikal zusammengestrichene Text herausgebrüllt und -gebettelt, und im Eifer des verwandtschaftlichen Gefechts geht nicht nur die spartanische Einrichtung zu Bruch.
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