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Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion SWO über das Operettenproblem


Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion

Das schwierige Geschäft mit der leichten Muse

Der wirtschaftliche Mehrwert ist folglich erwiesen, doch seit Anfang der 90er Jahre gibt es weitere gute Gründe, sich intensiver mit ihr auseinander zu setzen. Der Stuttgarter Germanist Volker Klotz hat in seinem voluminösen, längst zum Standartwerk avancierten Buch „Operette. Porträt und Handbuch einer unerhörten Kunst“ eine grundlegende Neubewertung der Gattung vorgenommen. Er sieht in den herausragenden Werken, zu denen Klotz auch die in Deutschland selten gespielten Stücke von Jacques Offenbach oder Arthur Sullivan zählt, eine besonders gelungene Form des musikalischen Unterhaltungstheaters, die mit „kecken Glücksforderungen“ und „unartigen Angriffen“ gegen die „gesellschaftlichen Zwangsjacken“ vergangener und gegenwärtiger Zeiten rebelliert. Das schlechte Image verdankt die Operette nicht in erster Linie den verkniffen Richtung Hochkultur schielenden Feuilletons, sondern, so Klotz, den „stumpf-sinnigen Verwertern“, die in diversen Theatern, aber auch in allen anderen Medien ihre fragwürdigen Vorstellungen von modernem Entertainment ausleben.

An dieser Situation hat sich mittlerweile einiges geändert. Historisch-kritische Ausgaben, die den ursprünglichen Zustand von Textbuch und Partitur wieder kenntlich machen, sind auch im Bereich Operette kein Fremdwort mehr. Darüber hinaus zeigen moderne Inszenierungen, dass viele Werke selbst unter veränderten historischen Bedingungen mehr zu bieten haben, als die von einem Großteil des Publikums so sehr geschätzten Ohrwurmqualitäten. Als Peter Konwitschny „Die Csárdásfürstin“ an der Dresdner Semperoper in die Schützengräben des Ersten Weltkriegs verlegte oder Michael Sturminger für die „Nacht in Venedig“ auf der Bühne der Wiener Volksoper eine shopping mall bauen ließ, gab es reichlich Diskussionen und mitunter lautstarke Missfallenskundgebungen. Doch daneben fanden sich viele Befürworter und Stimmen, die nicht zu Unrecht darauf hinwiesen, dass die spontane Einbeziehung von tagespolitischen oder gesellschaftlichen Ereignissen auf eine lange Tradition zurückblicken kann und schon im 19. Jahrhundert wesentlich zur Attraktivität der Operette beigetragen hat.

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