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Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion SWO über Gwyneth Paltrow


Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion

Zerbrechliche Schönheit, starke Frau | Gwyneth Paltrow

Ihren bis heute größten Erfolg feierte sie als Dichtermuse Viola De Lesseps in John Maddens Kassenschlager „Shakespeare in Love“, der 1999 mit sieben Oscars ausgezeichnet wurde. Die Danksagung der sonst so kühlen Blonden gehörte dabei ganz sicher zum Tränenreichsten, was die amerikanische Traumfabrik in ihrer langen Geschichte erleben durfte. Der Jubel des Publikums war ihr gewiss, aber damals wusste die jubelnde Menge auch noch nicht, wie Gwyneth die USA mit etwas Abstand sehen und beschreiben würde. Von ihrer englischen Wahlheimat aus erschienen ihr die Amerikaner nämlich nicht nur weniger intelligent und zivilisiert zu sein als die vermeintlich stilbewussteren Briten: „Ich liebe die englische Art zu leben insgesamt, weil sie nicht so kapitalistisch ist wie in Amerika. Die Leute sprechen nicht über Arbeit und Geld; auf Dinner Parties unterhalten sie sich hier über interessante Dinge.“ Wenn das kein schlagendes Argument ist ...

In „Der talentierte Mr. Ripley“ nach der Romanvorlage von Patricia Highsmith wandelte sie mit Matt Damon und Jude Law dann auf den Spuren großer Vorgänger wie Alain Delon oder Romy Schneider, die in René Clements Fassung „Nur die Sonne war Zeuge“ 40 Jahre früher vor der Kamera gestanden hatten. Für das spannende Remake gab es immerhin fünf Oscar-Nominierungen, während die meisten der folgenden Filmprojekte kaum über Achtungserfolge hinauskamen. Das ist umso bedauerlicher, als sich Gwyneth Paltrow immer wieder bemühte, mit der Darstellung starker Charaktere gegen das Klischee der vorwiegend stummen und allemal zerbrechlichen Schönheit anzuspielen, das ihr in den Anfangsjahren sicher nicht ganz zu Unrecht angeheftet wurde. Dabei gelangen ihr einige bemerkenswerte Darstellungen, so etwa in Wes Anderson bizarrer Komödie „Die Royal Tenenbaums“ oder in der Filmbiografie der verzweifelten Dichterin Sylvia Plath, der Paltrow in „Sylvia“ nicht zu großer Popularität, aber doch zu einem einfühlsamen, bewegenden Porträt verhelfen konnte. Ein groß angekündigtes Projekt über Marlene Dietrich konnte bis heute nicht realisiert werden.

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