| Für den Ausnahmekünstler bedeuteten die 50er Jahre gleichwohl den Auftakt zu einem beispiellosen Schaffensprozess. Auf einer monströsen Tour de Force, die von schweren Krankheitsschüben, deprimierenden Wohnlagen zwischen Baulärm und überlauten Nachbarn sowie ständigen finanziellen Sorgen geprägt war, komponierte Pettersson ein gigantisches symphonisches Werk, mehrere Konzerte und die Kantate „Vox humana“. Nach der Uraufführung der 7. Symphonie am 13. Oktober 1968 durch die Königlich Stockholmer Philharmoniker unter Antal Doráti mehrten sich langsam die Zeichen öffentlicher Anerkennung. Doch bei Pettersson kam vieles zu spät – er starb am 20. Juni 1980 in Stockholm. Dank der phänomenalen Zusammenschau kann die Entwicklung des Symphonikers nun eingehender betrachtet werden. Von Beginn an ist Pettersson bestrebt, aus dem überlieferten Vokabular der Musikgeschichte eine neue Sprache zu bilden, die im Laufe der Jahre immer originellere Farben und Formen annimmt, bis sie nach einem neunmonatigen Krankenhausaufenthalt Anfang der 70er Jahre zu einer beispiellosen Klarheit, Präzision und Unbedingtheit findet.
Was Pettersson in den letzten acht Jahren seines Lebens zu Papier bringt, steht ohne Vorbild und Beispiel da, dürfte aufgrund seines einzigartig-individuellen Gepräges aber auch kaum geeignet sein, in späteren Jahren Schule zu machen. Den Hörern aber vermittelt sich Petterssons pessimistische Weltsicht in höchster Eindringlichkeit, und auch seine politischen und sozialen Anliegen laufen in der unmissverständlichen Art ihres Aus- und Herausgedrücktseins kaum Gefahr, von irgendjemandem missverstanden zu werden.
Die seit kurzem in einem Schuber erhältliche Gesamtaufnahme versammelt die 15 zugänglichen Symphonien auf insgesamt 12 CDs, wobei die 2. Symphonie mit dem Symphonischen Satz aus dem Jahr 1973 und die 15. Symphonie mit Peter Ruzickas durch eben dieses Werk inspirierte, sogenannte Pettersson-Requiem „... das Gesegnete, das Verfluchte“ gekoppelt ist. Ruzicka blieb es dank intimer Werkkenntnis denn auch vorbehalten, einen wesentlichen Aspekt des Phänomens Pettersson zu charakterisieren: „Und beim Versuch einer dirigentischen Annäherung erfahre ich plötzlich ein Moment der Aufhebung von Zeit: Dies ist eine Musik, deren Substanz sich der historischen Bestimmbarkeit entzieht. Ihr umgreifender, fordernder Anspruch betrifft uns unmittelbar. (...) Hier bezieht sich Musik auf sich selbst und weist doch über sich hinaus.“
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