| Wenn künstlerische Neigungen überhaupt vererbbar sind, verdankt sie der 1925 in Paris geborene Schauspieler ganz sicher seinen Eltern. Denn die Mutter, ihres Zeichens Französin, Pianistin und Klavierlehrerin, ist an öffentliche Auftritte ebenso gewöhnt wie der italienische Vater, der Geige spielt und mit seinem Instrument in der Blütezeit des Stummfilms für die entsprechende Begleitmusik sorgt.
Kein Wunder also, dass der kleine Michel bereits im Alter von elf Jahren zum ersten Mal auf einer Bühne steht. Von Hans Christian Andersens „Des Kaisers neue Kleider“ ist es ein weiter Weg zum zeitgenössischen französischen Theater, doch der Halbwüchsige geht ihn unbeirrt, mit eiserner Disziplin und einem gewaltigen Lesepensum. Piccoli wird Schüler bei René Simon und Andree Bauer-Therond, spielt zunächst kleine Rollen an kleinen Bühnen, die jedoch bald größer werden, bis er Mitte der 50er Jahre am Théâtre National Populaire angekommen ist.
Seine Filmkarriere entwickelt sich bedeutend langsamer, obwohl Piccoli schon 1945 zum ersten Mal vor einer Kamera steht. Der große Durchbruch lässt jedoch noch fast 20 Jahre auf sich warten. Erst als er Luis Buñuel und anschließend Jean-Luc Godard kennen lernt, geht es steil nach oben. Godard engagiert Piccoli zusammen mit Brigitte Bardot 1963 für das Ehedrama „Die Verachtung“ und platziert ihn in einer denkwürdigen Szene mit Schreibmaschine in der Badewanne. Drei Jahre später verpflichtet Buñuel den smarten Schauspieler und Catherine Deneuve dann für den Kultstreifen „Belle de jour - Schöne des Tages“.
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