| Wer die Karriere von Jürgen Prochnow schon länger verfolgt, weiß freilich ohnehin, dass die eindimensionalen Figuren, die er ab und an auf die Leinwand bringen muss, sein außergewöhnliches Potenzial nicht ansatzweise fordern. Schon früh begeisterte er sich für das Theater und absolvierte neben einer Banklehre bereits kleinere Auftritte im Düsseldorfer Schauspielhaus. Nach dem Besuch der berühmten Folkwang-Schule in Essen engagierten ihn die Städtischen Bühnen Osnabrück, wo er mit intensiven Darstellungen schnell auf sich aufmerksam machte. Prochnow trat anschließend auf mehreren deutschen Bühnen auf, spielte im seinerzeit vieldiskutierten Schauspielhaus Bochum unter Intendant Peter Zadek und sammelte gleichzeitige erste Erfahrungen vor der Kamera.
Regisseur Wolfgang Petersen verpflichtete ihn zunächst für die Tatort-Episode „Jagdfieber“, das psychologisch ausgereifte Kriminalstück „Einer von uns beiden“ (1973) und dann für das Aufsehen erregende Drama „Die Konsequenz“ (1977), in dem Prochnow einen homosexuellen Schauspieler verkörperte. Der Bayerische Rundfunk klinkte sich bei der Erstausstrahlung am 8. November 1977 kurzfristig aus der ARD aus und sicherte dem Film so noch mehr öffentliche Aufmerksamkeit als ihm ohnehin schon zuteil wurde.
Als Petersen und Prochnow Anfang der 80er Jahre erneut zusammen fanden, waren auch die Bayern dabei – und mit ihnen viele Kinofreunde rund um den Globus. Das Kriegsdrama „Das Boot“ nach dem gleichnamigen Roman von Lothar-Günther Buchheim entwickelte sich zu einem der größten Erfolge des deutschen Nachkriegsfilms, wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet und sowohl für den Oscar als auch für den Golden Globe nominiert. Zahlreiche Darsteller machten mit diesem Film Karriere, für Petersen und Prochnow, der in unvergleichlicher Manier den Kapitänleutnant Henrich Lehmann-Willenbrock spielte, öffnete sich wenig später der Weg nach Hollywood. „Ich hatte unglaublich Glück, die Hauptrolle in einem Film zu spielen, der so ein großes Aufsehen in Amerika erregte,“ meinte Prochnow später, doch das ist sicher nur die halbe Wahrheit.
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