| Erstveröffentlichung: taz Nord
Vor einem Jahr erschien Joachim Zelters boshafte Satire „Die Schule der Arbeitslosen“. Am ersten Dezemberwochenende wurde die Bühnenfassung in Osnabrück uraufgeführt.
Im Jahr 2016 hat die Arbeitslosenzahl die 10 Millionen-Marke locker überschritten. Doch die „Bundesagentur“ lässt sich davon nicht aus der Ruhe bringen. Sie hat landauf landab Schulungszentren eingerichtet, um die Betroffenen wieder auf Vordermann zu bringen. Hier lernen sie nun, wie Lebensläufe den Erwartungen potenzieller Arbeitgeber angepasst und Persönlichkeiten auf die Anforderungen des Marktes abgestimmt werden. Schließlich sollen die Arbeitslosen „stabilisiert, euphorisiert, flexibilisiert“ sein, wenn sie die Schule wieder verlassen. Und Bewerbungen sind mittlerweile ohnehin nur noch „fiktiv konstruierte Handlungsgefüge. Kombinatorische Eigenschaftsgebilde. Promiskuitive Transaktionen. Ein Kohärenzsystem stimmiger Merkmale und Bedeutungsträger.“
Die Bundesagentur hat an alles gedacht. An fast alles, denn in der Realität gibt es leider keine Jobs mehr, die besetzt werden könnten, und so müssen ihre Schüler mit virtuellen Arbeitsplätzen vorlieb nehmen, nach Sierra Leone auswandern oder ganz einfach kapitulieren und widerstandslos zum dauerhaften Sozialfall werden. Joachim Zelters giftige Satire „Die Schule der Arbeitslosen“ sorgte vor einem Jahr für beträchtliches Aufsehen und als eminent gegenwartsnahe Zukunftsvision für reichlich Diskussionsstoff. Mittlerweile hat der 1962 geborene Autor zwei Bühnenfassungen des Romans erarbeitet und konnte sein Werk am Samstagabend erstmals in szenischer Form erleben. Allerdings hatte Regisseurin Nina Gühlstorff bei der Uraufführungsproduktion am Theater Osnabrück nur für einen Teil der Vorlagen Verwendung. Anders als ihr Kollege Sewan Latchinian, der das Stück in Zelters Textversion zeitgleich im brandenburgischen Senftenberg aus der Taufe hob, ließ Gühlstorff Erfahrungen von Berufsberatern und Hartz IV-Empfängern, aber auch spontane Eingebungen ihrer Schauspieler und Laiendarsteller in die Proben einfließen.
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