| Der Deutsche Taschenbuch Verlag nimmt den Jahrestag zum Anlass, um die „Geschichte des Fräuleins von Sternheim“, die mit ihren kompromisslos individualistischen, antiklerikalen und adelskritischen Tendenzen eminenten Einfluss auf die Dichtung des Sturm und Drang – vor allem auf Goethes „Werther“ - ausübte, nach dem Erstdruck von 1771 in neuer Aufmachung zu veröffentlichen.
In so ansprechendem Format hat der erste deutsche Frauenroman noch immer das Zeug zu einem Bestseller, auch wenn La Roches moralisierende Kommentare den heutigen Leser mehr irritieren dürften als der unstete Lebenswandel ihrer Titelheldin, dem die wohlmeinenden Worte gelten. Die von Herausgeber Wieland ironisch bekrittelte „Prädilektion für die Mylords und alles, was ihnen gleich sieht“, erweist sich schließlich als Motor des romanhaften Geschehens und Ausgangspunkt vieler aufschlussreicher, noch keineswegs veralteter Betrachtungen über menschliche Befindlichkeiten.
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