| Dem einen oder anderen Besucher wäre ein bühnenreifer Sprung von der Engelsburg sichtlich lieber gewesen. Doch Tosca bleibt keine Zeit mehr, um den erschossenen Geliebten zu betrauern und ihm aus freien Stücken zu folgen. Als die Leiche des skrupellosen Polizeichefs Scarpia entdeckt wird, hält sein Handlanger Spoletta der mutmaßlichen Mörderin kurzerhand die Pistole an den Kopf und qualifiziert sich so für höhere Aufgaben. Der Traum von Liebe und Freiheit ist einmal mehr zerstört und doch – so verraten es die letzten, postmortalen Takte zum Trost der Zuschauer - ebenso unsterblich wie seine von Macht- und Gewaltphantasien besessenen Widersacher.
Foto: Hans-Peter Habel Das traurige Schicksal, das Tosca derzeit auf der Bühne des Landestheaters Altenburg erleidet, droht ihr in Kürze auch im benachbarten Gera. Am 21. April beginnen mit Puccinis Klassiker in der Inszenierung von Generalintendant Matthias Oldag hier die Festwochen zur Wiedereröffnung des Großen Hauses. Der prachtvolle Jugendstilbau ist für knapp 25 Millionen Euro generalsaniert worden und jetzt gerüstet für höhere Aufgaben. Deren Aufsehen erregendste steht am 5. Mai auf dem Programm, denn dann wird in Gera Siegfried Matthus´ Oper „Cosima“ uraufgeführt.
Wer in Altenburg und Gera Theater machen will, muss nicht nur künstlerisch begabt, sondern auch hochgradig mobil sein. Seit die Bühnen im Jahr 1996 und später auch ihre Orchester fusioniert wurden, fahren viele Mitarbeiter täglich die gut 30 Kilometer, die beide Städte voneinander trennen. Fast alle Produktionen gehen auf Reisen und erfordern neben logistischem Geschick einen erheblichen Zeit und- Arbeitsaufwand.
Manch ein Beobachter zweifelte allerdings nicht nur beim Blick auf die Landkarte daran, dass hier etwas zusammenwächst, was tatsächlich zusammengehört. Denn sowohl die einstige Haupt- und Residenzstadt des Fürstentum Reuß als auch die Kaiserpfalz Altenburg, in der Anfang des 19. Jahrhunderts das Skatspiel erfunden wurde, blicken auf eine lange Theatertradition zurück und sind trotz verschämter Annäherungsversuche die meiste Zeit gut ohne einander ausgekommen.
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