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Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion SWO über Sophie von La Roche


Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion

Mit vereinten Kräften – Der Theaterverbund Altenburg/Gera

Die Altenburger, deren Musentempel schon vor 12 Jahren umfassend restauriert wurde, haben aber auch schon mehrere Fusionsversuche hinter sich. Gleich 1871 wollte man sich mit den Nachbarn in Gera zusammentun, doch dieses Vorhaben scheiterte ebenso wie das ähnlich geartete Projekt in der Saison 1927/28, das wegen „Unwirtschaftlichkeit“ schnell wieder abgebrochen wurde. 1930 probierten man es mit Gotha, auch diesmal ohne Erfolg. Haben sich die Ausgangsbedingungen seitdem grundlegend verändert? „Ja,“ sagt der neue, im neutralen Wittenberg geborene Generalintendant Matthias Oldag, „denn es gibt keine ernsthafte Alternative mehr. Ohne eine enge Kooperation stände das Theater in Altenburg vor dem Aus, und auch Gera wäre mittelfristig kaum zu halten.

Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion SWO über den Theaterverbund Altenburg/Geraa Roche

Foto: von Karen Stuke (aus: Tosca)

Diese Einsicht entwickelte sich bei vielen Betroffenen allerdings erst mit der Zeit. Geras früherer Oberbürgermeister Ralf Rauch erinnert sich, dass das Vorhaben nach der Wende zunächst „auf wenig Gegenliebe“ stieß, und auch Landtagspräsidentin Dagmar Schipanski weiß aus ihrer Zeit als Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst, dass hier ein „schmerzhafter“ Prozess bewältigt werden musste. Tatsächlich entspann sich zwischen beiden Städten eine breite Palette von Ressentiments und Vorurteilen, und manch ein Gegner der Fusion nutzte noch Jahre nach dem Zusammenschluss das Telefon, um sich wenigstens mit der Ansage „Landestheater Altenburg“ gegen die „Besatzung aus Gera“ zu verteidigen."

Diese Art der Selbstbehauptung ist mittlerweile überflüssig geworden, und das nicht nur, weil beide Bühnen ihren ursprünglichen Namen unter dem Dach der „Theater & Philharmonie Thüringen“ weiterführen können. Die langjährige Zusammenarbeit hat Vertrauen geschaffen und Erfolge gezeitigt, die sich sehen lassen können. Die Platzausnutzung liegt bei rund 85 Prozent, und viele Bürger sind nach langer Zeit des Achselzuckens wieder stolz auf „ihr“ Theater.

Große Publikumsnähe ist in beiden Städten auch Ausdruck einer Notwendigkeit. Schließlich geht es einerseits darum, traditionelle Erwartungshaltungen zu befriedigen, die inner- und außerhalb der Theater zu spüren sind. Etwa im Restaurant „Goldene Maske“, das in Gera den Geist vergangener Jahrhunderte atmet, von Kellnern in Livree durchschritten wird und an harmlosen Frühlingsnachmittagen Gäste anlockt, die sich angeregt über Ereignisse im Oktober 1806 unterhalten und bei Kaffee und Kuchen die Truppenbewegungen im Scharmützel von Saalfeld oder deren Auswirkungen auf die Schlacht bei Jena und Auerstedt diskutieren.

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