| Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion
Mehr als gute Ansätze
Osnabrücks neuer Theaterintendant Holger Schultze hat in drei Monaten viel bewegt
Lange Jahre sorgten ausgerechnet die Städtischen Bühnen dafür, dass Osnabrück als Inbegriff der Theaterprovinz galt. Was als Aushängeschild für die selbstgefühlte Kulturhauptstadt Europas fungieren sollte, kam über redliches Bemühen oft nicht hinaus, und wenn es ganz schlecht lief, produzierte die von Amateuren mit viel Engagement betriebene probebühne mehr Schlagzeilen als der offizielle Musentempel. Seit einem Vierteljahr hat sich an dieser Situation einiges geändert, auch wenn die finanziellen Engpässe, die für einen Teil der Qualitätseinbußen mitverantwortlich waren, keineswegs überwunden sind. Im Gegenteil, die neue Theaterleitung, die im Spätsommer das Team um Intendant Norbert Hilchenbach ablöste, weil der keine weiteren Kürzungen mehr hinnehmen wollte, muss in den kommenden vier Jahren eine weitere Million Euro einsparen.
Trotzdem wird in Osnabrück wieder spannendes Theater gemacht, mit einfachen, aber effektiven Mitteln.
Anfang Dezember steht die Premiere von Emmerich Kálmáns „Gräfin Mariza“ auf dem Programm. Die Geschichte vom verarmten, aber blaublütigen Verwalter, der seine Angebetete erst in die Arme schließen darf, nachdem er sie mit viel Moll und begleitenden Zigeunergeigen ins tenorale Koma gesungen hat, ist normalerweise ein klarer Fall fürs Methusalem-Komplott. Kálmáns sentimentalen Weisen lauscht man als Vorbereitung auf die nächste Sitztanzgruppe, und temporeiche Stimmungsaufheller wie „Komm mit nach Varashdin“, die von fern an Omas wilde Jugend erinnern, taugen höchstens noch zur akustischen Touri-Falle.
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