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Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion SWO über Osnabrücks Theaterintendant Holger Schult


Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion

Mehr als gute Ansätze

Osnabrücks neuer Theaterintendant Holger Schultze hat in drei Monaten viel bewegt

Ausgerechnet diese Operette – und nicht etwa intellektuelle Selbstläufer des geistreichen Jacques Offenbach oder des wenigstens gelegentlich hintersinnigen Johann Strauß - hat Osnabrücks neuer Intendant Holger Schultze pressewirksam zur „Chefsache“ erklärt. Nach Goethes „Faust I“ setzt der 43jährige innerhalb kurzer Zeit ein weiteres Stück persönlich in Szene. Doch damit nicht genug: Die musikalische Leitung übernimmt der 1. Kapellmeister Marius Stieghorst, für die dramaturgische Betreuung sorgt Operndirektorin Carin Marquardt, und die Gräfin Mariza singt Natalia Atamanchuk, die ansonsten in „Nabucco“ und der „Zauberflöte“ zu hören ist.

Der Aufwand lohnt sich, denn als der Vorhang nach über drei Stunden fällt, ist dem Produktionsteam zweierlei gelungen. Das Abonnementpublikum, das beim Anblick des aufwendigen Bühnenbildes bereits beifällig geraunt, dann klammheimlich gesummt und wissend gekichert hat, um auf dem Höhepunkt norddeutscher Begeisterungsfähigkeit endlich lautstark mitzuklatschen, fühlt sich so gut unterhalten wie lange nicht mehr. Und den Skeptikern, die mit Kálmán bisher wenig anfangen konnten und hinter der Chefsache eher die Lachnummer der Saison witterten, geht es wider Willen ähnlich. Schultzes Inszenierung ist schnell, unprätentiös und selbstironisch. Sie setzt auf das spielerische Element, verzichtet auf viele handelsübliche Klischees und falsches Pathos, und wenn auch nicht jede Idee zündet, so überzeugt doch das Gesamtkonzept.

Ähnlich ist es bei den meisten Inszenierungen der laufenden Saison, die überdies von neu zusammengestellten Ensembles getragen werden. Schon das bis dato bundesweit einmalige Festival „Spieltriebe“ zeigt Mitte September, wohin der Weg gehen soll. Mit zwölf Uraufführungen und Deutschen Erstaufführungen will Schultze Osnabrück im Handstreich zu einem Zentrum des zeitgenössischen Theaters machen. Sein gewinnendes Wesen weiß die Idee, es könne sich hier um eine gehörige Portion Zweckoptimismus handeln, bereits im Keim zu ersticken, und die Rechnung geht auf. Auch wenn die Kritiken nicht immer positiv ausfallen, gelingt es ihm und Pressechefin Sonja Zirkler, Medienvertreter aus ganz Deutschland nach langer Zeit wieder in die Hasestadt zu lotsen. Seit Mitte September sind rund 250 umfangreichere Beiträge in Zeitungen, Rundfunk- und Fernsehsendern über die Arbeit des Osnabrücker Theaters veröffentlicht und gesendet worden. „Spieltriebe“ erfährt mit über 80% Platzausnutzung außerdem eine bemerkenswerte Zuschauerresonanz.

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