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Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion SWO über Korngolds „tote Stadt“ in Osnabrück


Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion

Die Welt ist meine Wahnvorstellung
Michael Schulz inszeniert Korngolds „tote Stadt“ erstmals in Osnabrück

Nicht unbedingt, und vor allem dann nicht, wenn den Darstellern ein direkter Weg ins symbolistische Zentrum der toten Stadt gebahnt werden kann. Hans-Hermann Ehrich und Pia-Marie Nilsson kommt der gewählte Zugang offenbar entgegen, denn sie bewegen sich frei und zielsicher auf der modernistischen Osnabrücker Opernbühne. Nilsson ist nicht davor gefeit, das dramatische Attribut ihrer klangvollen Sopranstimme gelegentlich zu überzeichnen, doch ihr gelingt ein durchaus effektvoller Auftritt, der dem akzentuierten Selbstbewusstsein der Marietta über weite Strecken genauestens entspricht.

Hans-Hermann Ehrich beweist an Nilssons Seite noch einmal, dass seine stimmlichen und darstellerischen Fähigkeiten aus Prinzip, Talent und Überzeugung weit über die Gefälligkeiten des handelsüblichen Operettentenors hinausreichen. Ehrich hat es sich und seinem Publikum in seiner langen und eindrucksvollen Karriere nie leicht gemacht und den „Graf vom Luxemburg“ stets als musikgeschichtlich existentes und deshalb eben auch singbares Pendant zum Lohengrin oder zum Peter Grimes begriffen. Diese Einstellung kommt dem Routinier nun erneut zugute. Er braucht keine abstrusen Spitzentöne, um die Leiden der (von den eigenen Wahnvorstellungen) gequälten Hauptfigur glaubhaft zu machen und fesselt das Publikum – ganz so, wie es die Oper vorsieht – in seiner eigenen Welt.
Das erkennbare und erfolgreiche Bemühen des gesamten Ensembles, in dem neben Nilsson und Ehrich Eva Schneidereit (Brigitta/Lucienne) und Rüdiger Nikodem Lasa (Frank) besonders auffällig agieren, wird vom Osnabrücker Symphonieorchester unter Marius Stieghorst mit Nachdruck und Leidenschaft unterstützt. Die Begeisterung des Dirigenten für Korngolds hybride Versuche, den rauschhaften Puccini-Stil noch einmal zu überbieten, verwehrt den Solisten bisweilen ihr Recht auf durchgängige Textverständlichkeit. Aber damit können die – leider bislang nicht eben zahlreich erschienenen Zuschauer – an diesem außergewöhnlichen Opernabend leben.

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