| Thorsten Stegemann in der Virtuellen Kulturregion
Liebesduell mit zweifelhaftem Ausgang
Osnabrück startet mit einer Neuinszenierung von Puccinis „Turandot“ in die Saison
Turandots einstige Verehrer sind am rätselhaften Objekt ihrer Begierde gescheitert und haben allesamt das Zeitliche gesegnet. Nun dienen die Totenköpfe der mörderischen Prinzessin als Palastdeko. Mit Lorbeerkranz, Schlägermütze und Sonnenbrille beobachten die skelettierten Häupter das Geschehen und mögen sich – wie die Zuschauer – fragen, ob es ihrem vermeintlich erfolgreicheren Nachfolger Calaf wirklich besser ergangen ist. Denn Turandot, das zeigt das enttarnende Opern-Finale in der Fassung von Luciano Berio überdeutlich, wird die Liebe als befreiende und beseeligende Kraft wohl ebenso wenig für sich entdecken wie ihr ehrgeiziger Bezwinger, dem es vor allem um die maskuline Dominanz im erotisch aufgeheizten Machtpoker geht.
Carin Marquardts einfallsreiche Neuinszenierung überzeugt durch die exakte, ins mimische Detail gehende Personenführung und ein feines Gespür für theatralische Wirkungen. In einer strengen, symbolträchtigen und optisch zwingenden Designerlandschaft (Bühne: Manfred Kaderk, Kostüme: Ute Frühling) zeigt sie sinnfällig, wie die Gewaltbereitschaft einer seelisch verkrüppelten Gesellschaft durch den bittersüßen Märchenstoff scheint.
Iordanka Derilova (Turandot), Natalia Atamanchuk (Liù) und Ricardo Tamura (Calaf) liefern sich in Osnabrück ein packendes Gesangsduell auf hohem musikalischen und technischen Niveau. Besondere Erwähnung verdient auch das hochmotivierte Symphonieorchester, das unter der Leitung von Hermann Bäumer zu einer immer größeren Leistungsdichte zu finden scheint, und der gut disponierte Chor, Extrachor und Kinderchor des Theaters, der von Peter Sommerer auf seine komplexen Aufgaben vorbereitet wurde . zurück zur Übersicht bitte | |