| Er war schon zu Lebzeiten eine Legende. Überdimensional und einzigartig, unverrückbar und keineswegs bereit, über sein Tun und Treiben Rechenschaft abzulegen. Er galt als Inbegriff rauher Männlichkeit, die das Leben nach einfachen Gesetzen ordnete, er verkörperte den unbezwingbaren Freiheitsdrang, der Amerika groß und stark gemacht hatte, aber auch den kompromisslosen Fanatismus, der immer nur das gelten ließ, was er selbst für rechtens hielt.
Eine Unterscheidung zwischen dem Schauspieler und dem Privatmenschen erübrigte sich in den meisten Fällen, denn John Wayne blieb sich vor und hinter der Kamera treu. Um seine Landsleute daran zu erinnern, "dass man die Freiheit nicht geschenkt bekommt", setzte er den Widerstand texanischer Kämpfer gegen eine Übermacht mexikanischer Truppen als Hauptdarsteller, Regisseur und Produzent in Szene und schrammte, als "Alamo" 1960 an den Kinokassen floppte, nur haarscharf am finanziellen Ruin vorbei. Der Mann, der von seiner Green Beret-Einheit in "Die Grünen Teufel" (1968) bedingungslosen Gehorsam verlangte, wenn er sie durch die Hölle des Vietnam-Krieges jagte, befürwortete den Einsatz der amerikanischen Truppen auch persönlich und erwies sich bei jeder Gelegenheit als strammer Republikaner und Verfechter traditioneller Werte. Kein Wunder also, dass Gleichgesinnte wie der frühere US-Präsident Ronald Reagan in John Wayne viel mehr sahen als einen Schauspieler und prominenten Zeitgenossen. "Niemand vertritt die Werte unseres Landes so wie er," sagte Reagan über den Fels in der Brandung, der selbst die Menschen faszinierte, die in ihm eher den Stein des Anstoßes sahen. Noch vor wenigen Wochen brachte eine große deutsche Zeitung das Gesamtkunstwerk John Wayne auf die Formel "er lebte halt so, weil freie Menschen so leben müssen."
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