| Ernst von Wildenbruch war einer der erfolgreichsten Dramatiker des Deutschen Kaiserreiches, doch ein Volksdichter wurde er nie. An seinen zumeist historischen, dem hohen Ton und klassischen Zuschnitt verpflichteten Werken schieden sich nicht nur die Geister der potenziellen Bewunderer, sondern auch die seiner Gegner. Während Kollegen wie Gottfried Keller oder Theodor Storm für Wildenbruchs Stücke schnell zu begeistern waren und Conrad Ferdinand Meyer sich „sozusagen physisch wohl“ fühlte, echauffierte sich der einflussreiche Theodor Fontane über den „armen Stümper“, der nicht nur die Kunst, sondern auch den gesunden Menschenverstand auf den Kopf stelle. Lob und harsche Kritik waren auch im journalistischen Lager an der Tagesordnung, vor allem nachdem Wildenbruch der beschreibenden Zunft in „Christoph Marlow“ die viel zitierte Berufsbeschreibung
Ein Rezensent (...) das ist der Mann, / Der alles weiß (...) und gar nichts kann!
widmete. Doch auch in den führenden Kreisen des wilhelminischen Deutschland war Ernst von Wildenbruch, der oft einseitig als preußischer Staatsdichter charakterisiert wurde, nicht unumstritten. Das beweist zum Beispiel der Streit um sein Drama „Der Generalfeldoberst“, das nach einem Einspruch der Zensurbehörden gar nicht erst zur Aufführung kam.
weiter bitte
zurück zur Übersicht bitte | |