Der Literaturwissenschaft ist Wildenbruchs Leben und Werk schon seit langem nur noch gelegentliche Randnotizen wert, dabei verraten gerade die historischen Dramen eine Reihe interessanter Details über die Mentalitätsgeschichte des Kaiserreichs, thematische und stilistische Präferenzen in der deutschen Theatergeschichte des später 19. und frühen 20. Jahrhunderts, den Versuch einer Bildung kultureller Netzwerke und den beträchtlichen Einfluss autobiografischer Erlebnisse auf zumeist staatstragende Dichtungen.
Torsten Leuterts ebenso kenntnisreiche wie lesbare Studie entwirft am Beispiel von 12 ausgewählten Dramen – unter ihnen auch Wildenbruchs vergleichsweise bekanntesten Stücke „Die Quitzows“ und „Die Haubenlerche“ – ein facettenreiches Bild, das ausdrücklich nicht als Ehrenrettung des Dichters, sondern als „Schreibbiographie des –Dramatikers Wildenbruch in ihren konfliktreichen historischen Beziehungszusammenhängen“ verstanden werden soll.
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