| Diese Bewegung einte die Suche nach neuen Anregungen und bildnerischen Formulierungen, die Abkehr von Konventionen und die Rückbesinnung auf „ursprüngliche“ Quellen. Die Künstler wollten auf die Menschen direkt einwirken – Kunst sollte keine elitäre, bürgerlich geprägte Angelegenheit mehr sein, vielmehr wurde der aktive Betrachter eingefordert: "Volkskunst besteht nicht darin […] lediglich eine Kunst zu machen, die dem Volk gefällt, sondern vielmehr das zum Blühen zu bringen, was als Kunst aus dem Volk wächst. Die einzig demokratische und volkhafte Kunsttendenz besteht darin, aus dem Volk der Zuschauer ein Volk der Mitarbeiter zu machen." (Jorn: Sozialistische Heringe, 1950)
Die vormals entarteten Künstler wurden zu Vorbildern, ebenso wie Werke psychisch Kranker (Sammlung Prinzhorn), „primitive“ Kunst und Kinderzeichnungen. Während die Abstraktion in Abgrenzung zum nationalsozialistischen Idealbild des Menschen wie zum neuen Sozialistischen Realismus ihren Siegeszug in den 1950ern antrat, setzten sich Asger Jorn und seine ehemaligen Cobra-Kollegen weiterhin mit dem Figürlichen auseinander – der Gegenstand wurde zwar befreit, aber nicht aus den Augen verloren. Den Geschöpfen, Kreaturen und Wesen ist die Lust an der Bildfindung ebenso nachzuspüren wie die darin zum Ausdruck kommenden grundsätzlichen menschlichen Gefühle, Abgründe, Träume, Ängste. Die Experimentierfreude im Umgang mit Motiven und künstlerischen Medien sollte auch Asger Jorns weiteres künstlerisches Schaffen prägen und führte ihn zu einer ganz eigenen, faszinierenden Bildsprache. In kraftvoller und gestischer Manier entstand ein breit angelegtes Werk an Gemälden, Zeichnungen sowie Druckgrafik und er probierte sich gleichfalls in keramischen Arbeiten aus. Immer wieder reflektierte er seinen Blick auf Entstandenes und wandte sich bisher unbekannten Wegen oder Techniken zu. In zahlreichen Schriften legte er außerdem sein Kunstverständnis nieder.
Aus Anlass der Neuauflage des überarbeiteten Werkverzeichnisses von Asger Jorns Druckgrafik widmet die Städtische Galerie diesem Aspekt seines umfangreichen Schaffens eine retrospektiv angelegte Schau. Bereits in jungen Jahren schuf er kleinformatige Linolschnitte und Radierungen, deren Formsprache noch auf Vorbilder wie Joan Miró, Paul Klee und Pablo Picasso verweisen. Später wandte er sich auch anderen Techniken zu und in seinen Lithografien, Holzschnitten sowie wenigen Siebdrucken zeigen sich deutlich Asger Jorns zunehmend experimentellere Handschrift und seine reiche Fabulierkunst.
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