| Lissy ist wieder in der Stadt. Sie steht an vielen Ecken und grinst uns verführerisch an. Wenn sie sich zeigt, ist stets etwas los in der Städtischen Galerie. 1993 lockte sie noch ins Prinz-Max-Palais zur großen Karl-Hubbuch-Retrospektive. 1997 machte sie uns darauf aufmerksam, dass die Städtischen Kunstsammlungen von nun an im Lichthof 10 des ZKM-Baus untergebracht sind. Jetzt ist ihr Gesicht gewagt beschnitten und himbeerrot gerahmt. Sie will uns in eine Sonderausstellung locken: „Die 20er Jahre in Karlsruhe“. Im Interview plaudert Lissy freimütig über ihre Wirkung als Werbeikone, das Künstlerleben in den 20er Jahren und die Zeit, in der ihr Bildnis entstand.
Was dem Pariser Louvre die „Mona Lisa“ ist, ist für Karlsruhe „Lissy“. Fühlen sie sich als das künstlerische Gesicht der Fächerstadt? Lissy: Ich glaube, meine Lächeln zieht. Und damit habe ich sicher etwas mit dieser „Mona Lisa“ gemeinsam. Wenn es bei den Kunstfreunden ankommt und die in die Städtische Galerie strömen, dann soll es mir Recht sein. Offenbar ist mein Bildnis in der eigenen Sammlung konkurrenzlos.
Sie gehören zu den Meisterwerken nicht nur im Bestand der Städtischen Galerie, sondern auch der aktuellen Ausstellung. Schließlich haben Ihr Porträt und auch andere Gemälde und Skulpturen, die zwischen den beiden Weltkriegen entstanden, einen großen Anteil daran, dass Karlsruhe damals eines der fortschrittlichsten Kunstzentren war. Wie war das künstlerische Klima in der Fächerstadt? Lissy: Als Modell ging ich in der Akademie ein und aus. Ich kannte sie alle, die Professoren und Studenten. Vor allem Karl Hubbuch schätzte mich sehr, immer wieder hat er die Akademiemodelle Lona, Luise und mich gezeichnet und gemalt. Mal alleine, mal zusammen. Es gibt viele Bilder von uns. Hubbuch ging es darum, ein schonungsloses Bild der Wirklichkeit damals darzustellen. Mitunter hat er dabei auch übertrieben. Ganz so lang war meine Nase nämlich nicht. Es gab noch zwei weitere Lehrer an der Akademie, die ein ähnliches Ziel bei ihren Darstellungen verfolgten, Wilhelm Schnarrenberger und Georg Scholz. Daneben aber malten viele Künstler auch in einem herkömmlichen Stil, wie sie es u.a. von Hans Thoma gelernt hatten.
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