| Es führt ein Weg nach Nirgendwo – Die Gräberfelder von Neuenheim
Über dreißig Jahre ist schon her, dass der große Berndmark Heukemes das Gräberfeld in Neuenheim ausgrub, im Zuge der Bebauung des Neuenheimer Feldes. Und wer hätte gedacht, dass auch Churfürst Carl-Theodor, gotthabihnselig, neben seinen vielen Interessen der Archäologie hold war. Nach ihm bemühten sich der ordentliche Professor der alten Literatur, Georg Friedrich Creutzer, er publizierte das Neuenheimer Mithräum, und der Gymnasialprofessor Karl Pfaff siebzig Jahre später um systematische Bearbeitung der immer wieder zum Vorschein kommenden Kleinfunde wie Gräber, Siedlungsreste und Inschriften. Durch sie wurde sehr bald klar, dass auf dem Gebiet des heutigen Bergheim und Neuenheim ein antiker Warenumschlagplatz gewesen sein musste von nicht geringem Ausmaß. War das benachbarte Ladenburg ein wichtiges und großes Verwaltungszentrum, zu dem, wie für die Römer ganz typisch, eine schnurgerade Strasse führte, die man noch heute begehen kann, so hatte Heidelberg seine Bedeutung als Sammelplatz. Seine günstige Lage zu den Wasser- und Fernstrassen prädestinierten es geradezu.
Das Gräberfeld mit mehr als 1400 Bestattungen zwischen 80 und 190 n.Chr. ist eines der größten in ganz Deutschland, und deshalb ist das Kurfürstliche das einzige kommunale Museum, das Fördergelder von der DFG zur Aufarbeitung der Funde erhielt, ließ Frieder Hepp ganz stolz wissen. Das Besondere an diesem römischen Friedhof sind neben seinen außergewöhnlichen Funden, dass er „ungestört“ blieb, das heißt, er ist fast komplett erhalten, und somit ein Glücksfall, freut sich Dr. Andreas Hensen. Ihm fällt seit 1999 die Sisyphusarbeit zu, die vielen, zum Teil noch original von Heukemes verpackten Kostbarkeiten wissenschaftlich zu bearbeiten. Und das Ergebnis, an dem viele ehren – und amtliche Helfer mit gewirkt habe, kann sich sehen lassen.
Die Sonderausstellung „Straße ins Jenseits“, die auch den neugeschaffenen Eingang miteinweiht, teilt sich in zwei Räume. Im ersten kann sich Besucher über den wissenschaftlichen Stand der Dinge informieren und im zweiten führt ein gepflasterter Weg entlang der römischen Grabdenkmäler in abendlicher Stimmung hin zum „Ende des Lebens“. Hier gibt einige bemerkenswerte Schaustücke zu bewundern: Ein Salbenreibkästchen aus Bronzeblech, das entfernt an ein großes Handy erinnert. Ärzte und Frauen benutzen ein solches Gerät, um entweder Medizinisches oder Schminke an zu rühren. Eine kleine Schieferplatte konnte heraus gezogen und mit den Pinsel die passende Pasta angerührt werden. Castor und Pollux verzierten das Ganze. Und von wegen, Menschen weiblichen Geschlechts hätten sich im alten Rom nur geschminkt: Auch für die Archäologen überraschend war der die Grabbeigaben einer Ärztin. Dass dies keine Ausnahmeerscheinung war belegen ähnliche Bestattungen und Schriftquellen, insbesondere Inschriften. Diesen Vitrinen gegenübergestellt sind die Bestattungsformen, große Krüge, einer sogar aus Glas, Stelen und Pfeilergrabmäler und ganz wichtig: Lampen als Wegweiser in die Finsternis. Ganz deutlich wird, was auch Dr. Renate Ludwig und Dr. Hensen mehrfach betonten, dass der Weg ins Jenseits war für den antiken Menschen ein fester Bestandteil im Leben war und nicht wie heute, möglichst fest verdrängt wurde.
bis 04. September, Kurpfälzisches Museum der Stadt Heidelberg, Di -So, 10-18 Uhr
Viola Eigenbrodt
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