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Viola Eigenbrodt im SWO | Kunstportal Baden-Württemberg über Kunst und Karstadt

www.viola-eigenbrodt.de

vom Bauernhof zum Musentempel, eine kleine Meraner Geschichte

Wir schreiben das Jahr 1430, das finstere Mittelalter liegt in den letzten Zügen, die Renaissance lächelt um die Ecke und kündet von besseren Zeiten. Vorher wurde noch schnell Johanna von Orleans den Flammen übergeben, später im Jahrhundert entdeckte Kolumbus Amerika, der Geist öffnete sich Neuem. Auch in Meran entwickelten sich die Dinge, denn nach der Verlegung des landesfürstlichen Hofes nach Innsbruck 1420 war die Stadt nur noch vierzig Jahre die Hauptstadt Tirols. In diese Phase des Umbruchs hinein verschlägt es einen Bayern an die Passer, Andreas Kallmünz aus Kallmünz in der Oberpfalz. Sogleich erwirbt er am Sandplatz das hochherrschaftliche Gebäude, dem er seinen Namen gab und das in seiner Grundform noch immer so zu bewundern ist und somit als einziger "echte" Edelsitz gelten darf.

Viola Eigenbrodt im SWO | Kunstportal Baden-Württemberg über Barbara Clemens

© Foto: Günter Dürr

Doch zur Architektur später. Andreas wird bald Bürger der Stadt und assimiliert sich so gut, dass ihn die Bürger zweimal zum Bürgermeister wählen. Ein halbes Jahrhundert lebte er hier, heiratete und zeugte einen Sohn, Andreas Kallmünz Junior, der es ebenfalls zum Bürgermeister brachte. Seine Grablege ist wahrscheinlich die älteste der Stadt und befindet sich natürlich in der Pfarrkirche. Mit seinem Nachfahren Osias stirbt die direkte Linie aus, die Tochter Anna Katherina heiratet Isaak Andreas von Heidenreich, unter dessen kundigen Händen der Ansitz Mitte des 17. Jahrhunderts sein heutiges attraktives Aussehen erhielt, so dass sogar die Erzherzogin Claudia in den Wirren der Pest überlegt, den Hof von Innsbruck nach Meran in die Kallmünz zu verlegen. In der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts stirbt die alte Kallmünzer Linie ganz aus und weist danach verschiedene Besitzer aus. Ein Allianzwappen über dem Tor erzählt von der Hochzeit des Franz Ernst Graf Stachelburg mit Maria Josefa Gräfin Schlandersperg 1720. Ihr Urenkel Johann fällt an der Seite Andreas Hofers und beendet damit auch diese Linie.

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