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Kurze Wege - oder warum Schwule die besseren Menschen sind
über Stephan Valentin: “Weiße Eichen“Stephan Valentin beschäftigt sich gerne mit zwischenmenschlichen Themen, die literarischen Formen, die er dabei wählt, könnten unterschiedlicher nicht sein. Hat er gleich mit seinem Erstling, dem “Ameisenfeind“ einen Bestseller gelandet, der zur Zeit verfilmt wird, folgten ein Sachbuch, zusammen mit Eva Herman und ein weiterer Knüller, “Vielfarben“, für den er als erster Mann den Bettina-von Arnim-Preis gewann. Ein verdienstreicher Autor, der nun im Heidelberger Pfefferkorn Verlag sein neuestes Werk vorlegt, “Weiße Eichen“, das er ab März in der Region auf zahlreichen Lesungen vorstellen wird. Nicht von ungefähr erinnert der Roman an die berühmten-berüchtigten “Short Cuts“ des unlängst verstorbenen Regiegenies Robert Altman und steht ganz in der Tradition von Schriftstellern wie Raymond Carver und Philippe Djian.
Short Cuts sind kleine Inszenierungen paralleler Geschehnisse in einem relativ kurzem Zeitraum, die mit einander verflochten sein können, aber nicht müssen. In “Weiße Eichen“ haben irgendwie alle mit einander zu tun, alle Protagonisten werden in einer Technik des Weglassens und Nichtsagens reduziert, aber in ihrem Kern genau getroffen beschrieben. Wobei sich Valentin nicht nur als Meister des Details erweist, sondern auch als feinfühliger Psychologe. “Fälle“ scheinen sie alle zu sein, bis auf den schönen Barmann Dominik vielleicht, oder die alte Giftspritze, deren wirkliches Schicksal plötzlich ein völlig anderes Licht auf ihre Familie wirft. Eine geschlagene, eine betrogene und eine Frau, die gar keine ist, immer wieder blitzt der unbarmherzige Blick Altmans auf die menschlichen Abgründe bei Valentin auf, ohne jedoch ohne den fast unerträglichen Sarkasmus des Amerikaners. Valentin scheint eher verstehen zu wollen, warum Dinge sich entwickeln, und warum manche unabwendbar sind. Liebe und Tod, wie so oft dicht nebeneinander, bilden auch in “Weiße Eichen“ das verbindende Element, das in den geschickt eingeläuteten Show-Down endet. Manches Klischee mag sich dabei nicht hat ausschließen lasse, wie die drolligen Drag-Queens, immer einen flotten Spruch auf den geschminkten Lippen, aber ein goldenes Herz inmitten ihrer heruntergekommenen Demi-monde.
Haben die beiden Mädchen, die zusammen ein Kind wollen, etwa Kolleginnen in der “Lindenstrasse“?. Ob Held oder Antiheld, sympathisch hat Valentin seine Figuren auf der Bühne des Lebens oft sogar rührend in ihrer Naivität gestellt, die beiden Damen mit dem Kinderwunsch befragen zur Sicherheit bei der Auswahl des Samenspenders lieber erst einmal eine Wahrsagerin, die zu interessanten Ergebnissen kommt. Wer aber ein klassisches Happy-End erwartet, den hat schon Altman überrascht, Valentins Ende seiner “Kurzschnitte“ könnte realistischer nicht sein. Das Buch, spannend und sprachlich überzeugend, sollte man sich unbedingt in der Stammbuchhandlung reservieren lassen, es erscheint am 01. März 2007.
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