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Roger Ballen, André Lützen



Der WKV in der Virtuellen Kulturregion SWO

Roger Ballen - "Outland": Online-Preview
André Lützen - "Generation Boule Fale": Online-Preview"

28. Juni bis 02. September 2001

Im Kuppelsaal des Kunstgebäudes werden zwei photographische Positionen vorgestellt, die Menschen in Afrika auf sehr gegensätzliche Weise ins Bild setzen:
Auf der linken Seite die Ausstellung "Outland" des in Johannesburg lebenden, 1950 in New York geborenen Photographen Roger Ballen, die anthologisch in 80 Schwarz-weißaufnahmen das gesamte Spektrum seiner Arbeit aus zwanzig Schaffensjahren umfaßt. Die Werkfolge beginnt mit an Walker Evans erinnernden, menschenleeren Plätzen der südafrikanischen Kleinstädte, der "Dorps", und führt über eine Auswahl frontaler Portraits aus der Serie "Platteland" hin zu den beunruhigenden, dämonischen und deutlich ausgrenzenden Tableaux Vivants der letzten Jahre. Ballens Arbeiten sind Bildinstallationen zwischen "fact" und "fiction", die zu radikalen, verdichteten Stilleben werden, in denen der Künstler Körper und Objekte zusammenschweißt und ins Groteske steigert. Seine Protagonisten sind Außenseiter, archetypische Figuren, Beschädigte und Erniedrigte. Das faszinierende Geheimnis dieser Bilder, ihre nachhaltige Wirkung besteht darin, daß ihre Wirklichkeit als authentisch empfunden wird, ihre Wahrheit sich uns jedoch eigentlich entzieht.

In der rechten Kuppelhälfte zeigt der Hamburger Photokünstler André Lützen (Jahrgang 1963) sein in Dakar und Marseille zwischen 1997 und 2000 entstandenes Projekt "Generation Boul Fale", mit dem er intelligent und provokant die Brücke zwischen Afrika und Europa via Rapmusik baut.
Rap ist reden, quatschen, mitteilen: Rap ist Revolte, Information, Wut, Sex, Emanzipation, Zärtlichkeit und Liebeslied. Rapmusik ist zu einer Sprache geworden für Jugendliche, die als Außenseiter nach Identität suchen. Nicht nur in den USA rappen schwarze Jugendliche über ihren Alltag und ihre Visionen, Rap ist auch in Frankreich bzw. Europa ein Bestandteil der Musikkultur geworden. Rap entsteht in den Ballungszentren, in den Vororten der großen Städte mit ihrem alltäglichen Rassismus. Dort, wo unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen und zusammen existieren müssen. Dort, wo die Familien die Traditionen aufrechterhalten und Jugendliche ihren Platz zwischen Gegenwart und Geschichte suchen. Es geht dieser Generation nicht darum, ihre Idole zu konsumieren, sondern sich selbst kulturell zu formulieren, Rap aufzubrechen und ihn neu zu durchsetzen, mit ihren eigenen Inhalten, Sprachen und den traditionellen Musikformen. Lützen löst in seinen Photographien das traditionelle Dokument auf und rekonstruiert die Identität einer Generation ohne Ort, Rap als Argument, Rap als moderner Blues aus dem Rechner, Photographie als Break Beat. "Generation Boul Fale" ist ein Aufstand, der sich in Gang gesetzt hat.

"Outland" ist eine Ausstellung der DG Bank Kulturförderung, begleitet von einem Buch des Phaidon Verlags; Preis der broschierten Ausgabe während Ausstellung DM 35,- für WKV-Mitglieder DM 30,-.
Der Katalog "Generation Boul Fale" erscheint im Verlag Das Wunderhorn, gefördert durch die Stiftung Kunstfonds mit Mitteln der VG Bild-Kunst; Ausstellungspreis DM 35,-; für WKV-Mitglieder DM 30,-.

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