Jean-Louis Garnell - Klassische und digitale Fotografie
28. April bis 17. Juni 2001
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Jean-Louis Garnell (1954 in der Bretagne geboren, lebt heute bei Paris) ist seit Ende der 80er Jahre als Fotokünstler
international bekannt geworden. Nach einem lnformatikstudium hat er vor zwanzig Jahren die Fotografie für sich entdeckt.
Sein naturwissenschaftlicher Forscherblick und die Neugier, hinter die Oberfläche der Dinge zu schauen, charakterisieren
bis heute unübersehbar seine Arbeit. Ihn beschäftigt der Gedanke, wie mit künstlerischen Mitteln - der
Fotografie und seit geraumer Zeit auch mithilfe digitaler Bildschöpfungen - die Welt, die Gegenwart und die Beziehung des
Menschen zu Raum und Zeit, zum Materiellen und zum Virtuellen, vermittelbar gemacht werden können.
Im Gegensatz zu anderen konzeptuell arbeitenden Fotokünstlern inszeniert Garnell seine Aufnahmemotive normalerweise nicht,
sondern er lichtet Vorgefundenes der unmittelbaren Lebensweit ab. Dieses "Rohmaterial", aus der häuslichen,
familiären Umgebung, den Biotopen am Wegesrand, dem industriellen Ödland vor unseren Stadttoren und aus der
virtuellen Welt des Computers verarbeitet er zu neuen Mikrokosmen, zu neu konstituierten Universen. Seine künstlerische
Begabung liegt dann, intuitiv die richtigen Sujets und den richtigen Moment für die fotografische Aufnahme abzupassen
und die richtigen Konzepte für seine Bildsprache zu entwickeln. Hierzu gehören die klassischen Bildgattungen der
Malerei wie Landschaft, Portrait, Interieur und Stilleben, aber auch aus der von ihm verwendeten Computertechnik hergeleitete
abstrakte Formen und nicht zuletzt ein untrügliches Farbempfinden.
Für gewöhnlich steht ein Bild nicht für sich allein, sondern ist Element einer mehrteiligen Arbeit oder
gehört zu einer zusammenhängenden Werkgruppe. Garnell begnügt sich nicht mit der Wiedergabe eines einzigen
Aspekts, sondern bietet dem Betrachter mindestens eine zweite unterschiedliche Ansicht desselben Motivs oder eine
Gegenüberstellung zweier oder mehrerer Bilder. Diese Vorgehensweise spiegelt sich auch in den schlichten Werktiteln
wider, die beispiels- weise Diptyque, Triptyque oder Suite lauten, versehen mit einer Nummer sowie der jeweiligen Jahreszahl.
Augenfällig ist, daß der Künstler Gegensätze erkunden und ausloten möchte: System und Chaos, das
Natürliche und das Künstliche, das Materielle und das Virtuelle, Fotografiertes und Fotografieren, Realität
und Darstellung.
Die von Uta Nusser kuratierte Ausstellung im großen Vierecksaal des Württembergischen Kunstvereins zeigt mit
über hundert Werken eine repräsentative Übersicht Garnells klassischer und digitaler Fotografie der letzten
zehn Jahre. Der begleitende Katalog von 128 Seiten enthält
130 Farbabbildungen, erscheint im Heidelberger Verlag Das Wunderhorn und kostet während der Ausstellung DM 38,-.
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