| Bleiben wir bei seinen beiden CDs: Wolfram erzählt mir, daß die Improvisation bei der Aufnahme jeweils völlig spontan und ganz ohne Pause ablief. Erst danach, beim "Einhören" entstanden Bildeindrücke. Diese ermöglichten, die Aufnahme dann in Titel einzuteilen, woran Tontechniker Rob8 maßgeblich beteiligt war. Auch nach meinem eigenen Empfinden verbindet sich hier Akustisches und Visuelles, was auch im Titel der zweiten CD – Ontospektrales Konzertieren – angedeutet wird: es geht um das "direkte Dasein von Bildern, Spektren, Farben durch die Musik" (Wolfram).
Bevor wir das Ganze theoretisch durcharbeiten und ich dabei erst Euch und dann mich selbst verwirre oder auch umgekehrt, empfehle ich, die Bilder von Wolfram anzusehen, die bei einer seiner Improvisationen entstanden sind: es ist bewegend, zu sehen, wie hier ein Mensch Höhen und Tiefen erlebt, zwischen Konzentration und Loslassen wechselnd, zwischen Erschöpfung und Anstrengung hin- und hergeworfen, dann wieder von strahlender Freude übermannt, alles scheint möglich, nichts kontrollierbar. Der Musiker scheint gleichzeitig Subjekt und Objekt seiner Musik, er spielt - und wird gespielt, etwas geschieht mit ihm.
Big (45 K) auf Klick Was wir hier sehen, wirft Fragen auf: Erstens natürlich die alt bekannte nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest; zweitens aber auch die nach dem Wesen der Musik, insbesondere demjenigen der Improvisation.
Aus den Gesprächen mit Wolfram ergibt sich die Vermutung, daß es die gegensätzlichen Lebenswelten sind, die Wolfram erlebt und die sich in der Hin- und Hergerissenheit in seinem musikalischen Ausdruck wiederspeigeln: aufgewachsen mit den Natureindrücken des Hohenloher Landes erlebt Wolfram die Großstadt Berlin sicherlich deutlicher als ein geborener Berliner. Da bedarf es harter körperlicher Arbeit des Pianisten, um als Medium zwischen beiden Polen zu vermitteln und womöglich eine Einheit (Identität) darin zu suchen.
Wolfram Pelzer ist nur ein wenig jünger als ich (was, so alt schon? Ja.). Hat also wahrscheinlich in seiner Jugend oft das Gleiche gehört.
weiter bitte | |