| In modernen Gesellschaften entgrenzen sich die Altersgruppen. Die Kindheit hört früher auf, aus Kids werden schneller Teens. Jugendliche werden in kürzerer Zeit zu jungen Erwachsenen, die länger jugendlich bleiben. Das Leitbild Jugendlichkeit gewinnt immer mehr Einfluss auf die ästhetische Produktion der Gesellschaft. Im Mittelpunkt dieser Entwicklung stehen die Jugendlichen selbst. Sie sind heutzutage wichtige Seismographen und Trendsetter der Gesellschaft. Ihre kreativen Praxen und ihre spielerischen Transformationen von Oberflächen fließen oft unbemerkt in die gesellschaftlichen Ästhetiken ein. Ihre Schnittstellen zu Kunst und Design führen zu einer nachhaltigen Beeinflussung und Veränderung der visuellen Umwelt. Im Handeln der Jugendlichen und in ihrem Umgang mit Gegenständen, z. B. in ihrer speziellen Art des Erschließens von neuen medialen Gadgets, wie beispielsweise Mobiltelefone, zeigt sich der gesellschaftliche Wandel in besonderer Deutlichkeit.
Jugendliche gewinnen neue Freiheiten und schaffen sich neue Handlungsoptionen. Zugleich sind Jugendliche aber auch Opfer gesellschaftlicher Transformationsdynamiken. Unter dem Druck von Kommerz und Konsum entstehen schwierige Lebensverhältnisse: Wie eine Identität aufbauen, wie die eigene Subjektivität erfahren in einer Gesellschaft, die für alles ein Angebot bereit hält?
Aber Jugendliche wissen sich in dieser Situation zu wehren: Eigensinn und Widerstand sind hier Schlüsselbegriffe. Junge Menschen offenbaren in ihrem Handeln eine ästhetische Spurensuche, auf deren Grundlage sie neue ästhetische Spuren erzeugen. Diese erschaffen aus der Vielfalt des Zerstreuten eine Ordnung des Einen: die der subjektzentrierten Ordnung. Mit oder gegen Markt und Medien werden Elemente, Objekte und Symboliken aus dem Alltäglichen herausgesucht und dekonstruiert. Eine »Identität-in-Kommunikation« entsteht – vermittelt über Medien–Symbole–Spuren. Objektwanderungen aus den ursprünglichen Gebrauchskontexten in die Erlebnisszenen hinein thematisieren strukturelle soziale Veränderungen wie z. B. den Wandel der Arbeit in den postindustriellen Gesellschaften – die Adaption von Workwear als Bewahrung von Bildern industrieller Arbeit in den Jugendkulturen. Die Ausstellung bietet einen Einblick in die ästhetischen Transformationen von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, innerhalb derer Jugendliche sich behaupten müssen. Sie thematisiert den Kontext der Radikalisierung von Mediatisierungsprozessen, die eng verschränkt sind mit einer Kommerzialisierung von Alltag, Körper und Identität.
Der besondere Umgang von Jugendlichen mit Körper, Geschlecht, Objekt, Raum, Zeit, Sprache und Gewalt soll exemplarisch an Symbolen und symbolischen Handlungen in ihrem Verschränkungs- und Spannungsverhältnis von Medien–Alltag (Ökonomie, Design)–Kunst (als Alltagstranszendierung) ergründet werden.
Die Entgrenzung und Zerstörung von tradierten Gesellschaftsordnungen durch Jugendkultur und die Herstellung einer neuen eigenen Ordnung, die die bestehende transformiert, wird im Rahmen einer exemplarisch-szenischen Präsentation dargestellt. Jugendliche im Spiegel ihrer Symbole zu zeigen, heißt Aneignungsprozesse anschaulich zu machen, z.B. Zweckentfremdungen, die die symbolische Ordnung des Alltags durcheinanderwirbeln und die Hauptzeichen der Gesellschaft aus dem Takt bringen. Die Dekonstruktion von bestehenden Ordnungen durch Bildwanderungen, Medien- und Symboltransformationen führt zur Konstituierung eigener Ordnungen.
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