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Das ZKM Karlsruhe im Kunstportal Baden-Württemberg
Das Museum der zeitbasierten Künste Musik und Museum – Film und Museum
Eröffnung am Freitag, dem 08. September 2006, um 19 Uhr im ZKM_FoyerFilm im Ausstellungsraum Museum
Ähnliche Argumente gelten für die Beziehung zwischen Film und Kunstmuseum. Bekanntlich haben das MOMA, New York, und das Centre Pompidou, Paris, eine Filmabteilung, aber abgesehen von temporären Wechselausstellungen, in denen Filme im Rahmen der Ausstellung projiziert werden, werden die gesammelten Filme nur nach Museumsschluss am Abend im Untergeschoss oder eigens eingerichteten Sälen außerhalb der Ausstellungsräume gezeigt. Das ZKM hat immer darauf Wert gelegt, in seinen thematischen Wechselausstellungen den Avantgardefilm gleichberechtigt zu behandeln. Gerade in seiner jüngsten Ausstellung »Lichtkunst aus Kunstlicht« zeigt es als Pioniere der Lichtkunst zum ersten Mal auch Filmkünstler, von den Avantgarde- Klassikern Viking Eggeling, Walther Ruttmann, Hans Richter, Oskar Fischinger, bis zu Tony Conrad, Paul Sharits, Anthony McCall, Woody Vasulka etc. Das ZKM, das sich seit 1999 unter meiner Leitung besonders dem künstlerischen Film geöffnet hat, siehe die Ausstellung »Future Cinema – The Cinematic Imaginary after Film« (16.11. 2002 – 30.03. 2003), geht neue Wege. Kunstfilme sind wie Gemälde, Skulpturen, Installationen, Klangkunstwerke etc. in der ständigen Sammlung zu sehen. Der Film wird also so zugänglich gemacht, wie alle anderen Kunstwerke auch. Er führt kein Dasein mehr im Schatten der Videokunst, sondern er wird gleichwertig, wie alle anderen Kunstmedien behandelt. Diese Annäherung von Filmkunst und Kunstmuseum entspricht einer inneren Logik, da viele Filmkünstler, sowohl in der Vergangenheit wie in der Gegenwart, ursprünglich bildende Künstler gewesen sind, und weil der Film, ob Kunstfilm oder Hollywood-Film, für viele zeitgenössische Künstler das primäre Referenzmedium darstellt. Es gibt aber auch eine äußere Logik, die diese Fusion von Film und Museum nahe legt. Einerseits das Erwachen des künstlerischen Dokumentarfilms aufgrund des qualitativen Niedergangs des öffentlichen und privaten Fernsehens, andererseits die Abwanderung des künstlerischen Spielfilms aufgrund des Niedergangs der Filmindustrie in das Museum, da viele bedeutende Filmautoren keinen Verleih mehr finden.
Drittens ist nach dem Erfolg der Videokunst, die sich in vielen Fällen auf die Erfahrungen und Experimente der Avantgarde-Filme der Zwischenkriegszeit und insbesondere der 1960er und 1970er Jahre bezog, auch die Bereitschaft gestiegen, dem Avantgarde-Film, der seinerzeit noch vor verschlossenen Türen stand und vom Kunstbetrieb exkludiert wurde (zum Schaden beider), die Tore zu den Museen und Galerien zu öffnen. Nachdem beispielsweise die kommerziellen Vertriebssysteme des Kinos für viele bedeutende Regisseure, seien es Jean-Luc Godard, Agnès Varda oder Artavazd Peleschjan keine Plattform mehr bieten, tritt an seine Stelle das Museum. Andererseits drehen immer mehr bildende Künstler selbst Filme, seien es Matthew Barney, Ange Leccia, Pierre Huyghe und Philippe Parreno.
Das Museum wird also zur Schnittstelle und zur Plattform des Films, das Museum wird sogar zum Produzenten von Filmen. Das Filminstitut des ZKM hat unter der Leitung von Andrei Ujica bereits zwei Filme produziert, zusammen mit der »Fondation Cartier pour l’art contemporain« in Paris, den Film »7x3« (2004) von Raymond Depardon und den neuen Film von Artavazd Peleschjan, der seit 15 Jahren keinen neuen Dokumentarfilm mehr machen konnte. Film und Kunst befinden sich also in einer ganz neuen Phase. Das Museum migriert in die Filmproduktion.
Das ZKM gehört zu den Pionieren der Annäherung zwischen dem Kinematographen und dem Ausstellungsraum. Deswegen eröffnet das ZKM im Juli sein museales Kinoprogramm. Dieser Prozess ist die natürliche Konsequenz einen Mehrfachentwicklung: zum einen ist er die Antwort auf die Verwandlung des Ausstellungsbetriebs in ein Massenphänomen. Die Fragen des Verhältnisses von Museum und Massen, von Kunst und Massen, können am deutlichsten am Massenmedium Film behandelt werden, vielleicht ebenso am Massenmedium Fernsehen, dem sich das ZKM in Zukunft auch spezifischer nähern wird. Zum andern ist dieser Prozess verbunden mit der Abwanderung eines großen Teils des kultivierten Publikums vom Kino ins Museum, das die Stelle von Programmkinos einnimmt, weil für viele Erwachsene das kommerzielle Kino keine Angebote mehr liefert. Drittens entspringt es der inneren Logik der Entwicklung der Künste, vom statischen zum bewegten Bild, vom Museum als Ort der Raumkünste zum Ort der Zeitkünste verwandelt. Unser Programm hat als Schwerpunkt Filme, die sich an der Grenze zwischen Dokumentarischem und Fiktionalem bewegen, unter Einbezug der klassischen Avantgarde, und ist in zwei Teilen strukturiert. Es wird ein ständiges Repertoire geben und abwechselnde Titel, die in gewissen Abständen erneuert werden.
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