| ZKM | Museum für Neue Kunst
zur Online-Ausstellung Die menschliche Stimme auszustellen scheint ein paradoxes Unterfangen. Was an Stimme und Hören sichtbar gemacht werden kann, sind zunächst Symbole, Lautschriften, anatomische Modelle, Sprechmaschinen, technische Geräte vom seltenen Phonographen bis zum stimmgesteuerten Navigationssystem. Was aber die erlebte und gehörte Stimme faktisch erzeugt, ist der Raum unserer Wahrnehmungswelt. Für das unmittelbare Raumerleben ist der ”gehörte Raum” zumindest so konstitutiv wie der durch das Auge wahrgenommene.
In der Ausstellung zu hören sind u. a. Bestände aus Stimmarchiven in Berlin oder Wien, die seit Beginn des 20. Jahrhunderts “Stimmporträts” bedeutender Persönlichkeiten angelegt haben. Stimmliche Experimente werden vorgestellt, die Lautdichter, Schauspieler bzw. Performance-Künstler umgesetzt haben, um die Bedeutung eines gesprochenen Textes über seinen bloßen sprachlichen Gehalt hinaus vokal zu erweitern und zu profilieren. Außerdem hört man die ersten Versuche, Stimmen künstlich herzustellen, so zum Beispiel die Stimme aus der Sprechmaschine Wolfgang von Kempelens (1734-1804), eines hohen Beamten am Hofe Maria Theresias. Mit seiner Maschine wollte er gehörlosen Menschen zu einem Instrument verhelfen, Lautsprache zu erzeugen. Vernehmen wird man auch die eindringliche Stimme von Ingeborg Bachmann, die in den Frankfurter Vorlesungen das ”schreibende Ich” als ”Platzhalter der Stimme” beschreibt.
Die singende Stimme vermittelt, wie sehr die sich laufend ändernden Möglichkeiten von Aufzeichnungs- und Studiotechnik auch die ästhetische Stimmwahrnehmung prägen. Seltene Beispiele aus der beginnenden Schallplattenindustrie bis zu aktuellsten Technologien veranschaulichen die Manipulationsmöglichkeiten menschlicher Stimmen. Neben dem Einfangen und Hörbarmachen der Stimmen Verstorbener, illustrieren Beispiele aus dem europäischen Kirchengesang – von der Faszination für die hohe Männerstimme vatikanischer bis zur Baßstimme Maxim sowie Ausschnitte aus bald 100 Jahren Radiogeschichte die erstaunlichen Möglichkeiten stimmlicher Darbietungen.
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